NK-Zellen besitzen auch eine Erinnerungsfunktion19. Oktober 2020 Grafik: © magicmine/Adobe Stock Gute Neuigkeiten für das menschliche Immunsystem: Forscher haben in einer aktuellen Studie einer Untergruppe der zytotoxischen NK-Zellen, die in ihrer Immunantwort bisher als „antigen-unspezifisch“ galten, eine immunologische Erinnerungsfunktion zuschreiben. Rund ein Drittel aller menschlichen NK-Zellen der Leber kann sich demnach an Viren erinnern und somit spezifisch reagieren. Damit gelten diese Zellen als interessantes Target, um sie für das menschliche Immunsystem im Kampf gegen Infektionen und Viren prophylaktisch zu nutzen. NK-Zellen sind ursprünglich natürliche zytotoxische Killerzellen im menschlichen Blut und gehören zu den Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutzellen oder Leukozyten. Sie sind in der Lage, abnormale Zellen wie Tumorzellen und virusinfizierte Zellen zu erkennen und abzutöten (Apoptose). Den NK-Zellen wurde bisher nachgesagt, dass sie keine Erinnerungsfunktion haben und daher nicht „Antigen-spezifisch“ Zellen abtöten können, sondern nur unspezifisch immer wieder aufs Neue auf Viren und Infektionsherde reagieren. In der nun veröffentlichten Studie konnten die Wissenschafter der MedUni Wien jedoch in der Leber – das Organ gilt generell als großes Reservoir von NK-Zellen – zeigen, dass es eine Subgruppe von NK-Zellen gibt, die in der Lage ist, etwa Infektionen bei Hepatitis A und B zu bekämpfen und sich auch daran zu erinnern. Diese Untergruppe zeigte auch ein anderes, einzigartiges Gen-Expressionsprofil im Vergleich zu den anderen NK-Zell-Gruppen. „Unsere Studienergebnisse zeigen, dass in dieser besonderen Gruppe von NK-Zellen antigenspezifische Prozesse ablaufen und wirksam sind. Daher könnte sich diese NK-Zell-Untergruppe für spezifische, therapeutische, aber auch prophylaktische Impfstrategien eignen“, fasst Georg Stary zusammen. Er hatte die Arbeitsgruppe aus Forschern der Universitätskliniken für Dermatologie und Chirurgie der MedUni Wien geleitet. Stary forscht außerdem am CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) und im Rahmen der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft. Gesunde Menschen haben etwa einen Anteil von 5 bis 15 Prozent an NK-Zellen im Blut, wobei die Leber ein Reservoir für diese Zellen bildet. Als nächsten Schritt untersuchen die Autoren die Rolle dieser NK-Zellen im Verlauf von Infektionskrankheiten. Außerdem wollen sie untersuchen, ob bei Patienten mit seltenen Erkrankungen mit Defekten im Bereich von T- und B-Lymphozyten diese NK-Zellen fehlende Gedächtnisfunktionen zusätzlich übernehmen können.
Mehr erfahren zu: "Verändertes Mikrobiom: Mundbakterien spielen eine Rolle bei chronischer Lebererkrankung" Verändertes Mikrobiom: Mundbakterien spielen eine Rolle bei chronischer Lebererkrankung Wissenschaftler haben deutliche Hinweise darauf gefunden, dass bei chronischer Lebererkrankung Bakterien aus dem Mund den Darm besiedeln. Die Forschenden haben auch aufgedeckt, wie sich dadurch das Krankheitsbild verschlechtern kann.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]
Mehr erfahren zu: "Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken" Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken Bei fünf bis zehn Prozent der Darmkrebspatienten spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Dabei ist der Anteil bei jüngeren Personen höher. Die DNA-Analyse von Darmpolypen liefert wichtige zusätzliche Informationen über die […]