Nobelpreis für Hepatitis-C-Entdeckung: Gastroenterologen fordern Screening für eine bessere Früherkennung und Therapie6. Oktober 2020 Foto: © jarun011/Adobe Stock In den vergangenen Jahren hat die Behandlung von Hepatitis-C-Infektionen revolutionäre Fortschritte gemacht – wozu ganz entscheidend auch deutsche Wissenschaftler beigetragen, wie die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) anlässlich der Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises für die Entdeckung des Virus betont. Aber: Ein großer Teil der Infizierten profitiere aktuell noch nicht von diesen Fortschritten, mahnt die Fachgesellschaft. Der Grund sei, dass viele der Betroffenen gar nichts von ihrer Leberinfektion wissen. Die Erkrankung könnte bei frühzeitiger Diagnose geheilt werden, deshalb sei Einführung eines Screenings auf Hepatitis C ein wichtiger Schritt, um mehr Menschen eine rechtzeitige Diagnose und Therapie zu ermöglichen. Damit ließen sich nicht nur die Folgen, sondern auch die Ausbreitung der Infektion reduzieren, so die Experten der DGVS. Eine aktuelle Arbeit des Robert Koch-Institutes und von Mitarbeitern der Medizinischen Hochschule Hannover zeigt, dass in Deutschland zwischen 0,2 und 1,9 Prozent der Allgemeinbevölkerung oder Patienten in Krankenhausnotaufnahmen mit HCV infiziert sind. Sehr häufig werde Hepatitis C in bestimmten Risikogruppen wie Drogenkonsumenten gefunden. „Dies ist umso bedauerlicher, als die Infektion inzwischen sehr gut behandelbar ist – sofern sie frühzeitig diagnostiziert wird“, sagt DGVS-Mediensprecher Prof. Heiner Wedemeyer aus Hannover. Hepatitis C sei durch die großen Behandlungsfortschritte der letzten Jahre eine heilbare Erkrankung geworden. Deutsche Forscher haben dazu maßgeblich beigetragen: Etwa der Virologe Prof. Ralf Bartenschlager, der durch seine Entwicklung von Virus-Vermehrungssystemen in Zellkulturen erst die Entwicklung von antiviralen Medikamenten möglich machte, die heute bei mehr als 97 Prozent der Patienten zu einem kompletten Ausheilen der Infektion führen. Auch bei der anschließenden Testung von Medikamenten gegen Hepatitis C waren deutsche Gastroenterologen federführend beteiligt. Dass die Therapien nicht nur hocheffektiv, sondern auch bei breiter Anwendung sicher sind – selbst bei Patienten mit anderen Erkrankungen – konnte im deutschen Hepatitis C-Register der Deutschen Leberstiftung gezeigt werden. „Das Register ist in dieser Form mit Zusammenarbeit von niedergelassenen Gastroenterologen und universitären Zentren international einmalig und beinhaltet mittlerweile Daten von mehr als 17 500 Patienten“, betont Dr. Dietrich Hüppe, wissenschaftlicher Leiter des Registers. Trotz der hervorragenden therapeutischen Möglichkeiten wird ein relevanter Teil der Hepatitis C-Infizierten nicht frühzeitig diagnostiziert. Denn es fehlen strukturierte Screening-Programme. „Es ist tragisch und nicht nachzuvollziehen, wenn uns zwar effektive Medikamente zur Verfügung stehen, wir aber kein funktionierendes Instrument haben, Betroffene früh zu erkennen“, so Wedemeyer anlässlich der Entscheidung des Nobelpreis-Komitees, die drei Hepatitis-C-Forscher auszuzeichnen. Es sei eine gute Entscheidung aus Stockholm, da dadurch Aufmerksamkeit auf diese wichtigen Forschungsaktivitäten und ihre Erfolge gelenkt werde. Allerdings müssten diese Erkenntnisse nun noch besser den Patienten zugutekommen. Denn eine unerkannte Infektion ziehe oft schwerwiegende und kostenträchtige Langzeitkomplikationen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs nach sich. Derzeit prüft der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Aufnahme eines Hepatitis B- und C-Screenings in das Vorsorgeprogramm der gesetzlichen Krankenkassen. Ein aktueller Entwurf sieht vor, dass allen gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr einmalig eine Testung auf Hepatitis B und C angeboten wird. „Darüber hinaus bedarf es aber weiterer Konzepte, um speziell Betroffene mit hohem Risiko auch außerhalb dieses Check-ups frühzeitig zu identifizieren – denn sie sind oft nicht über Hausärzte erreichbar und sollten zudem wiederholt gescreent werden“, betont Wedemeyer. Zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko zählen Menschen, die vor 1990 (Hepatitis C) oder vor 1970 (Hepatitis B) eine Bluttransfusion erhalten haben, Personen, die aktuell oder in der Vergangenheit intravenös Drogen konsumiert haben, homosexuelle Männer, aber auch Migranten aus Ländern, in denen die Infektionen weit verbreitet sind.
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