Östrogene und Brustkrebs: Review wartet mit Überraschungen auf

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Bislang sind es klassischerweise die Östrogene, die mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht werden. Eine neue Untersuchung lenkt nun den Blick auf andere Sexualhormone.

In einem Review sehen Dr. Jaeyeon Kim von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis, USA, und Prof. Pamela N. Munster von der University of California in San Francisco, USA, die Schuld bei den Gestagenen (endogenes Progesteron oder synthetisches Progesteron [Progestin]). Neue klinische und experimentelle Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass ­Gestagene der primäre hormonelle Treiber für das scheinbar mit Östrogen­ assoziierte Brustkrebsrisiko sind. Laut Kim et al. können Östrogene indirekt zum Brustkrebsrisiko beitragen, indem sie den Progesteron-Rezeptor anregen und so die Progesteron-­Signalgebung verstärken.

Wie die Forschenden weiter ausführen, sprächen umfangreiche Studien zu hormonellen Kontrazeptiva dafür, dass der geringe Anstieg des Brustkrebsrisikos durch hormonelle Kontrazeptiva hauptsächlich auf Gestagene und nicht auf Östrogene zurückzuführen sei. Einen Beleg dafür sehen die Wissenschaftler auch bei der Hormon­ersatztherapie (HRT): Die HRT mit Östrogen und Gestagen erhöhe bei postmenopausalen Frauen durch­gehend das Brustkrebsrisiko, während eine HRT mit Östrogen allein bei Frauen in den natürlichen oder chirurgisch bedingten Wechseljahren kaum einen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko habe.

Insbesondere die langfristige Nachbeobachtung der randomisierten Studien der Women‘s Health Initiative (WHI) deute auf einen ­Nutzen einer alleinigen Östrogentherapie hin, fahren Kim und Munster fort. Jüngste Daten zeigten zudem, dass ein endogen erhöhter Östrogenspiegel während einer Behandlung mit assistierter Reproduktionstechnologie (ART) kaum negative Auswirkungen auf das Brustkrebs- und das Rezidivrisiko habe oder dieses sogar senken könne.

Ferner spreche immer mehr Evidenz dafür, dass die Hemmung der Progesteron-Signalgebung ein entscheidender Mechanismus ist, der den risikomindernden und therapeutischen Effekten von Anti-Östrogenen zugrunde liegt. „Insgesamt deuten die vorliegenden Erkenntnisse darauf hin, dass eine HRT mit Östrogenen wahrscheinlich gesundheitliche Vorteile für Frauen in der Peri- oder Postmenopause bietet, inkl. auch Brustkrebsüberlebende, sowie für junge BRCA1/2-Trägerinnen mit pro­phylaktischer Ovarektomie zur Vorbeugung von Eierstockkrebs“, so das Autorenduo.

(sf)