Ohrsensor ermöglicht sichere telemedizinische Betreuung von COVID-19-Risikopatienten11. Oktober 2021 Studienleiter Georg Schmidt (rechts) beim Test einfacher Ohrsensoren, welche Covid-19-Risikopatienten bequem und sicher zu Hause überwachen können, um bei Bedarf einen schnellen Transport ins Krankenhaus zu ermöglichen. Foto: Andreas Heddergott / TUM COVID-19-Erkrankte können gefahrlos daheim telemedizinisch betreut werden – von Beginn der häuslichen Isolation bis zur Genesung oder, bei Problemen, bis zur Einweisung in die Klinik. Dies hat eine Münchner Studie an 150 COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf nun erfolgreich unter Beweis gestellt. SARS-CoV-2-Infizierte sind dazu verpflichtet, sich in häusliche Isolation zu begeben. Insbesondere für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf kann dies aber gefährlich sein, wenn sich ihr Zustand plötzlich und unbemerkt verschlechtert – was häufig der Fall ist. Ob sie früh genug in die Klinik eingewiesen und behandelt werden, kann jedoch entscheidend für ihr Überleben sein. Alternativ alle Risikopatientinnen und -patienten bei Diagnosestellung zur Sicherheit sofort in die Klinik aufzunehmen, würde die Kliniken überlasten. Wenig Aufwand – hoher Sicherheitsgewinn Während der zurückliegenden Corona-Wellen betreuten daher Prof. Georg Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM), und sein Team über 150 Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf telemedizinisch mit einem Ohrsensor, der ähnlich wie ein Hörgerät im Gehörgang getragen wird. Dieser erfasste alle 15 Minuten alle wichtigen Werte wie Temperatur, Herzschlag, Atmung und Sauerstoffsättigung und übermittelte sie an das Telemedizinische Zentrum des Klinikums rechts der Isar. Dort beobachtete das Team permanent alle eingehenden Werte. Zusätzlich wurden alle Teilnehmenden mindestens einmal am Tag angerufen und nach ihrem Befinden befragt. Bemerkte das Team eine Verschlechterung der Werte, wurde die betroffene Person angerufen. Ein Arzt traf dann die Entscheidung, ob eine Einweisung in eine Klinik nötig ist oder nicht. Mit minimalem Aufwand realisierte das Team so eine Überwachungsqualität, die der Monitorüberwachung in einer Klinik sehr nahe kommt. Hohe Patientenzufriedenheit Ungefähr jede achte teilnehmende Person musste im Verlauf der Studie eingewiesen werden. Interessanterweise gab die Mehrzahl dieser Patientinnen und Patienten später an, dass sie selber zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gemerkt hatten, wie schlecht es ihnen ging. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie wurden kürzlich im Fachjournal „Plos One“ veröffentlicht. „Nach unserer Kenntnis ist dies weltweit die erste Studie, die Patientinnen und Patienten in häuslicher Isolation kontinuierlich aus der Ferne überwacht und im Falle einer kritischen Gesundheitsverschlechterung eine sofortige Krankenhauseinweisung veranlasst hat“, sagt Schmidt. Die Studie zeige, dass COVID-19-Risikopatientinnen und -patienten effektiv telemedizinisch überwacht und damit bei zukünftigen Infektionswellen unter Umständen Ressourcen eingespart werden können, heißt es von der TUM. Auch die Infizierten seien höchst zufrieden gewesen und hätten sich durch die kontinuierliche Überwachung insgesamt deutlich sicherer gefühlt.
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