Online-Programm für Long-COVID-Patienten: Mit Gesang und Musik das Atmen neu lernen

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An Möglichkeiten, den Zustand von Patienten mit Long-COVID zu verbessern und an der Entwicklung entsprechender Interventionen wird intensiv gearbeitet. Eine Arbeitsgruppe aus Großbritannien hat nun ein Online-Programm mit Atemtraining bewertet, das auch das Wohlbefinden der Betroffenen steigern soll.

In die Parallelgruppenstudie wurden Patienten aufgenommen, die ≥18 Jahre alt waren und sich von COVID-19 zwar erholt hatten, aber ≥4 Wochen nach Beginn der Symptome immer noch an Atemlosigkeit, mit oder ohne Angstgefühle, litten. Sie mussten außerdem von der überweisenden COVID-19-Klinik als klinisch geeignet eingestuft worden sein.

Nach der klinischen Bewertung erhielten potenzielle Teilnehmer einen Code für das Online-Portal und nahmen nach Randomisierung entweder sofort am Breathe-Programm der English National Opera (ENO) teil oder erhielten eine herkömmliche Versorgung. Die Teilnehmer der ENO-Breathe-Gruppe erhielten Zugang zu dem 6-wöchigen Online-Atem- und Wohlfühlprogramm, das für Menschen mit Long-COVID entwickelt wurde, die an Atemnot leiden. Kernpunkt ist, dass die Teilnehmenden unter Verwendung von Gesangstechniken das Atmen gewissermaßen neu lernen.

Der primäre Endpunkt, der in der Intention-to-Treat-Population bewertet wurde, bestand in der Veränderung der HRQoL. Diese wurde anhand der RAND-Kurzform-Erhebungsinstrumente für psychische (MHC) und physische Gesundheit (PHC) bewertet. Sekundäre Endpunkte bestanden im Bewertungstest für Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung sowie in visuellen Analogskalen (VAS) für Atemnot und den Werten beim Instrument Dyspnoe-12, auf der 7-Punkte-Skala für generalisierte Angststörungen und der Kurzform 6D. Eine thematische Analyse, in der die Erfahrungen der Teilnehmer untersucht wurden, führte man auch unter Verwendung qualitativer Daten aus Fokusgruppen, Antworten aus Befragungen und E-Mail-Korrespondenz durch.

Im Zeitraum 22.04.–25.05.2021 wurden 158 Teilnehmer rekrutiert und randomisiert. Von diesen schlossen die Studienautoren 8 Personen (5%) von der Analyse aus, sodass 150 Probanden einer Behandlungsgruppe zugeteilt wurden (74 in der ENO-Breathe-Gruppe und 76 in der Gruppe mit Standardversorgung). Im Vergleich zur üblichen Behandlung war ENO-Breathe mit einer Verbesserung des MHC-Scores (Regressionskoeffizient 2,42; 95%-KI 0,03–4,80; p=0,047), aber nicht des PHC-Scores (0,60; 95%-KI –1,33 bis 2,52; p=0,54) assoziiert.

Die VAS für Atemnot (Laufen) fiel zugunsten von ENO-Breathe aus (–10,48; 95%-KI –17,23 bis –3,73; p=0,0026). Die Wissenschaftler beobachteten keine anderen statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen bei den sekundären Endpunkten.

Eine geringfügige selbstlimitierende Nebenwirkung wurde von einem Teilnehmer der ENO-Breathe-Gruppe gemeldet, der sich bei der Verwendung eines Computers über einen längeren Zeitraum schwindelig fühlte.

Die thematische Analyse der Erfahrungen der ENO-Breathe-Teilnehmer führte zur Identifizierung von 3 Hauptthemen: 1. Verbesserungen der Symptome, 2. Gefühl, dass das Programm die Standardversorgung sinnvoll ergänzt und 3. dass Gesang und Musik den Bedürfnissen der Probanden offenbar besonders entsprachen.

Fazit
Die Wissenschaftler stellten fest, dass es die mentale Komponente der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQoL) von Long-COVID-Patienten stärkte und auch bei Elementen der Atemnot zu Verbesserungen führte. Geist-Körper- und musikbasierte Ansätze, einschließlich praktischer Symptom-Management-Techniken, könnten eine Rolle bei der Förderung der Genesung spielen, glauben die Studienautoren. (ac)

Autoren: Philip KEJ et al.
Korrespondenz: Keir E. J. Philip; [email protected]
Studie: An online breathing and wellbeing programme (ENO Breathe) for people with persistent symptoms following COVID-19: a parallel-group, single-blind, randomised controlled trial
Quelle: Lancet Respir Med 2022;10(9):851–862.
Web: https://doi.org/10.1016/S2213-2600(22)00125-4