Operation oder Infekt? Im Herbst droht Wettbewerb um Klinikbetten für Kinder26. Oktober 2022 Der Personalmangel in der stationären Versorgung von Kindern könnte dafür sorgen, dass in der kommenden Infektionswelle die Betten für kleine Patienten knapp werden. (Foto: © famveldman – stock.adobe.com) Mit der kommenden Infektionswelle befürchtet die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Lage in der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen. „Es steht zu befürchten, dass insbesondere über die Ambulanzen Kinder, die eine Notfall- oder andere dringende Operation benötigen, mit Kindern, die schwere Infektionen haben, um ein Klinikbett konkurrieren müssen“, sagt Dr. Joachim Suß, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) und Chefarzt der Kinderchirurgie im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. Verantwortlich sei vor allem der Pflegenotstand. Die DGKCH appelliert daher an die Politik, für Abhilfe zu sorgen. Die von der „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ eingesetzte Arbeitsgruppe „Pädiatrie und Geburtshilfe“ hat bereits im Juli in einer Stellungnahme eine gute Personalausstattung rund um die Uhr für eine hochwertige Versorgung und zur Vermeidung von Personalüberlastung als „essenziell“ bezeichnet. Eine Zusammenarbeit oder Zusammenlegung kleinerer Abteilungen könne die individuelle Arbeitslast verringern, heißt es in dem Dossier. „Das löst aber nicht das Kernproblem. Nach der Umstellung der Pflegeausbildung 2020 kann man sich nicht mehr sofort auf die Kinderkrankenpflege spezialisieren, sondern erst später im dritten Ausbildungsjahr oder danach. Das ist für viele nicht motivierend, die diesen Beruf eigentlich ergreifen wollen“, sagt Suß. Kritisch ist laut DGKCH auch das Finanzierungssystem. Die derzeitigen Fallpauschalen im stationären Bereich (DRGs) bilden die Besonderheiten der operativen und konservativen Kindermedizin nicht ausreichend ab. Kinder und ihre Eltern stellen im Vergleich zur Erwachsenenmedizin einen hohen Personal- und Betreuungsaufwand dar. Mit den bestehenden DRGs können Kinderkliniken nicht kostendeckend arbeiten. Die amtierende Bundesregierung habe schon im Koalitionsvertrag versprochen, für eine bedarfsgerechte Finanzierung der Pädiatrie, einschließlich der Kinderchirurgie zu sorgen. Nun empfehle die Arbeitsgruppe der Regierungskommission, ab Januar 2023 zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, erklärte die DGKCH. „Das geht in die richtige Richtung. Diese Mittel muss man dann aber auch genau dort einsetzen, wo sie am meisten fehlen, nämlich beim Personal”, kommentierte Suß. Um den politischen Prozess, der durch die Stellungnahme der Kommission angestoßen wurde, zu unterstützen, bietet die DGKCH ihre Hilfe an.
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