Opioid-Gebrauch kann Hörverlust auslösen26. August 2020 Foto: ©Max Rode/Adobe Stock Laut einer aktuellen US-amerikanischen Studie kann Opioid-Gebrauch – insbesondere in hohen Dosen – zu Hörbeeinträchtigungen führen. Dabei scheint es sich um einen Klasseneffekt der Opioide zu handeln. Die in der Fachzeitschrift „The Journal of Medical Toxicology” kürzlich veröffentlichte Studie von Mozeika et al. hat medizinische Daten evaluiert, die zwischen 1999 und 2018 im New Jersey Poison Control Center (Rutgers New Jersey Medical School, USA) erhoben wurden, um eine Assoziation zwischen Opioid-Gebrauch und Hörverlust zu bestimmen. Ototoxizität ist eine bereits bekannte Komplikation von Opioiden, auch wenn der zugrunde liegende Mechanismus noch unklar ist. Obwohl der Hörverlust bisher meist mit Heroin und Oxycodon in Verbindung gebraucht wurde, weisen Berichte zunehmend darauf hin, dass es sich um einen Klasseneffekt der Opioide handeln könnte. Allerdings gab es zu einem möglichen Zusammenhang bisher nur Fallberichte. Die StudienautorInnen identifizierten 41 Patienten mit Opioidexposition, die einen partiellen oder vollständigen Hörverlust oder Tinnitus erlitten hatten, höchstwahrscheinlich ausgelöst durch Ototoxizität der Opioide. Das mittlere Alter der PatientInnen lag bei 29,4 Jahren, gut die Hälfte war männlich (51 %, n=21). Die meisten hatten Heroin genutzt: 51 Prozent (n=22) insgesamt Heroin, 18 davon ausschließlich Heroin. An zweiter Stelle stand Oxycodon (n=7), gefolgt von Methadon (n=4 ) und Tramadol (n=3). Der Hörverlust wurde in 24 Prozent der Fälle als Tinnitus beschrieben, in 37 Prozent der Fälle als Hypakusis und in 29 Prozent der Fälle als Gehörlosigkeit. In zehn Prozent der Fälle lag ein Mix aus Tinnitus und Hypakusis vor. Nur 34 Prozent der Fälle (n=14) waren mit einem möglichen hypoxischen Ereignis assoziiert. Bei 21 Prozent der Betroffenen, von denen Nachberichte vorhanden waren, trat auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus keine Besserung ein. Die AutorInnen gehen davon aus, dass die im Rahmen der Studie beobachtete Opioid-assoziierte Ototoxizität ein von Hypoxie unabhängiger Nebeneffekt ist, da der Hörverlust in der Mehrzahl der Fälle ohne vorhergehendes hypoxisches Ereignis auftrat. „Auch wenn die Studie einen Zusammenhang zu Heroin belegt, kann Ototoxizität bei jedem Opioid auftreten”, sagt Senior-Autorin Diane Calello. „Die Studie unterstützt, was wir bereits in Tierstudien herausgefunden haben, nämlich dass jedes Opioid Hörverlust verursachen kann.” Grund dafür könnte das Vorhandensein von Opioid-Rezeptoren im Innenohr sein, so Calello weiter. Deren Aktivierung könnte bei manchen Patienten Schäden verursachen. Nach Ansicht der AutorInnen sollte sich medizinisches Personal bei der Untersuchung von PatientInnen mit Hörverlust der Assoziation zum Opioid-Gebrauch bewusst sein. (ja) Originalpublikation:Mozeika A et al. Opioid-Associated Hearing Loss: A 20-Year Review from the New Jersey Poison Center. Journal of Medical Toxicology 2020.
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