Orales Plattenepithelkarzinom: Krankheitsprogression und Mortalität besser vorhersagen24. März 2026 Mikroskopisches Bild eines humanen Mundkarzinoms mit Lymphgefäßen (rot und gelb), die zwischen den Krebszellen (blau) verlaufen. Die Breite des Tumors im Bild beträgt von links nach rechts etwa 0,5 mm. Foto: Joni Näsiaho Durch Untersuchung der Lymphgefäße des Tumors könnten Krankheitsprogression und Mortalität beim oralen Plattenepithelkarzinom besser vorhergesagt werden. Dabei kommt es auf die Oberflächenzellen der Lymphgefäße an. Das Team der Universität Turku hat herausgefunden, dass Proteine der Oberflächenzellen der Lymphgefäße des Tumors auf Zellteilung hinweisen. Zudem ermöglichen sie die Vorhersage von Krankheitsprogression und Mortalität. Das orale Plattenepithelkarzinom verursacht weltweit über 188.000 Todesfälle. In Finnland stirbt bis zu einem Fünftel der im Frühstadium behandelten Patienten an der Erkrankung. Das Team um Erstautorin Joni Näsiaho, Doktorandin an der Universität Turku und Fachärztin für Onkologie, untersuchte Proben von 300 finnischen Patienten, bei denen ein orales Plattenepithelkarzinom im Frühstadium diagnostiziert worden war. Dabei konzentrierten sich die Forschenden auf die Eigenschaften verschiedener Abwehr- und Strukturzellen im Tumorgewebe. Höhere Zahl proliferierender Lymphgefäße Bei der Analyse mehrerer unterschiedlicher Proteinmarker entdeckte das Team etwas Überraschendes: Einige Tumoren wiesen eine höhere Zahl an proliferierenden Lymphgefäßen auf, als normalerweise der Fall ist. Diese hohe Anzahl proliferierender Tumorlymphgefäße sagte sowohl Rezidive als auch die Mortalität besser voraus als andere bisher bekannte Risikofaktoren. Die Zellen der in der gesunden Mundhöhle vorhandenen Lymphgefäße teilen sich hingegen selten, spezifische Markerproteine für Zellproliferation sind meist nicht nachweisbar. Näsiaho et al. analysierten über 700.000 Zellen auf 25 Proteine mittels bildgebender Massenzytometrie. Die Forschenden konnten Leukozyten- und Endothelzellphänotypen identifizieren, die unabhängige prognostische Faktoren für das Überleben darstellen. Waren proliferierende lymphatische Endothelzellen (KI67+PROX1+) im invasiven Tumorrandbereich vorhanden, die in Transkriptomanalysen eine distinkte molekulare Signatur aufwiesen, sagte das ein schlechtes rezidivfreies Überleben bei oralem Plattenepithelkarzinom im Frühstadium stark voraus. Orales Plattenepithelkarzinom: Tumormikromilieu spielt wichtige Rolle Das Team hat die Ergebnisse in einer unabhängigen Kohorte von Patienten mit oralem Plattenepithelkarzinom validiert. Dazu nutzten die Forschenden einen einfach messbaren KI67+PROX1+-Immunfärbungs-Biomarker-Assays. Darüber hinaus führten sie multivariate Analysen des rezidivfreien, krankheitsspezifischen und Gesamtüberlebens durch. Wie die Autoren abschließend betonen, unterstreichen die Daten die Rolle des Tumormikromilieus bei der Krankheitsprogression und dessen potenziellen Einfluss auf Behandlungsstrategien. „Es ist entscheidend, aggressive Formen der Erkrankung bereits im Diagnosestadium zu erkennen“, betonte Näsiaho. So könne ein erhöhtes Risiko für Rezidive oder Tod bei der Therapieplanung berücksichtigt werden. Derzeit besteht die Therapie für ein orales Plattenepithelkarzinom hauptsächlich aus chirurgischen Eingriffen. Präzise Methoden für die gezielte Anwendung adjuvanter Therapien gibt es keine, so Näsiaho. Brauchen Biomarker für effektivere Therapien „Wir benötigen Biomarker, um Hochrisikopatienten effektiver behandeln zu können und Patienten mit einer besseren Prognose nicht den potenziell schwerwiegenden Nebenwirkungen adjuvanter Therapien auszusetzen“, so die Onkologin. Sie ist sich sicher, dass die Ergebnisse ihrer in „Cell Reports Medicine“ veröffentlichten Studie als praktisches Instrument in der klinischen Praxis angewendet werden können. „Darüber hinaus wäre es interessant herauszufinden, ob der von uns entdeckte Marker eine ähnliche Aussagekraft bei anderen Krebsarten besitzt“, ergänzte Näsiaho. (ja/BIERMANN)
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