OSA-Schweregrad: Starke Schwankungen weisen auf Herz-Risiko hin

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Menschen mit Obstruktiver Schlafapnoe (OSA) haben ein um 30 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz, wenn sich der OSA-Schweregrad von Nacht zu Nacht stark verändert. Das zeigt eine neue Studie.

Bei OSA werden Betroffene meist für eine Nacht im Schlaflabor beobachtet. Allerdings ist diese Momentaufnahme möglicherweise nicht repräsentativ, wenn der OSA-Schweregrad stark von Nacht zu Nacht variiert. Das konnte die in „Sleep“ veröffentlichte Studie zeigen. Die Ergebnisse stellen einen Zusammenhang zwischen großen Unterschieden der nächtlichen Atemstörungen und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko her.

Das Team um den leitenden Studienautor Dr. Bastien Lechat von der Flinders University in Adelaide (Australien) analysierte Schlafdaten von mehr als 3000 Erwachsenen. Ein Sensor unter der Matratze erhob Daten und Schlafmuster über sechs Monate hinweg. Die Forschenden sammelten so Daten zur Atembewegungen, Herzfrequenz und Körperbewegungen sowie Atem- und Schnarch-Geräusche. Das Gerät kalkulierte mithilfe eines Maschine-Learning-Algorithmus den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), als Messgröße für den OSA-Schweregrad.

Anschließend glichen die Lechat et al. die Schlafmuster mit berichteten kardiovaskulären und Schlaganfallereignissen (MACCEs) ab. Das primäre Ergebnis war ein zusammengesetzter Endpunkt aus nicht-tödlichen MACCEs, einschließlich Myokardinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris oder koronarer Herzkrankheit sowie kongestiver Herzinsuffizienz.

Schwere OSA und hohe Variabilität mit erhöhtem Risiko assoziiert

Die Autoren schlossen in die Studie 3159 Teilnehmenden mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 29 (± 6 kg/m²) ein. Diese waren im Schnitt 49 Jahre alt (± 13 Jahre) und zu 19 Prozent weiblich. Insgesamt wurden 142 (4,5 %) MACCE-Fälle berichtet. Bei Teilnehmenden mit einem OSA-Schweregrad von moderat bis schwer waren MACCEs wahrscheinlicher, verglichen mit Teilnehmenden ohne OSA (Odds Ratio [OR] 1,45, 95%-Konfidenzintervall[KI] 0,93–2,25). Eine hohe Nacht-zu-Nacht-Variabilität der OSA (75. vs. 25. Perzentil; 8,0 vs. 2,8 Ereignisse/h) war mit einem um 34 Prozent höheren Risiko für das Auftreten eines MACCE assoziiert. Dies war unabhängig vom OSA-Schweregrad und anderen Störfaktoren (OR 1,34, 95%-KI 1,04–1,72).

Viele Menschen gingen davon aus, dass OSA stabil sei – aber die Realität sei eine andere, so Lechat. Manche Nächte seien deutlich schlimmer. Diese wiederholten Schwankungen könnten zusätzlichen Stress für das Herz bedeuten. Der leitende Studienautor betonte: „Ein Schlafapnoe-Test über nur eine Nacht kann bei manchen Patienten eine falsche Sicherheit vermitteln.“ Denn auch bei einer im Durchschnitt milden Schlafapnoe könnten Betroffene ein erhöhtes Risiko haben, wenn zu starken Variationen im OSA-Schweregrad zwischen den Nächten komme.

Schwankungen im OSA-Schweregrad: Zusammenhang mit Gefäßalterung

Eine zweite große internationale Studie stützt die Ergebnisse von Lechat et al. Im Rahmen ihrer Studie beobachteten Dr. Lucia Pinilla und ihr Team fast 30.000 Personen über mehrere Jahre mithilfe von digitalen Heimmonitoring-Geräten beobachtet. Die Studienergebnisse sind in „npj Digital Medicine“ veröffentlicht.

Pinilla et al. konnten zeigen, dass sowohl eine schwerere Schlafapnoe als auch eine hohe nächtliche Variabilität und sogar gewohnheitsmäßiges Schnarchen mit einer schnelleren Alterung der Blutgefäße verbunden sind. Gefäßalterung gilt als ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aus den Studienergebnissen geht auch hervor, dass die Gefäßgesundheit von Betroffenen mit milder Schlafapnoe, aber hoher nächtlicher Variabilität, der Gefäßgesundheit von Personen mit schwerer Schlafapnoe entspricht. Dies deutet nach Einschätzung der Autoren auf eine bislang verborgene Risikogruppe hin.

Für die Erstautorin zeigen beide Studien auch, wie wichtig wiederholte Schlafmessungen sind. Damit unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Heimmonitoring-Technologien. „Schlaf sollte nicht wie ein einzelnes Foto, sondern wie bewegte Bilder betrachtet werden“, so Pinilla. Das Verständnis nächtlicher Muster und Schwankungen im OSA-Schweregrad könne dazu beitragen besser zu erkennen, wann eine frühzeitige Behandlung nötig sei. (ja/BIERMANN)

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