Schlafapnoe: Unter ehemaligen Football-Profis häufig unterdiagnostiziert?

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Eine neue Untersuchung deutet darauf hin, dass die Schlafapnoe bei ehemaligen professionellen Football-Spielern weit verbreitet ist, wobei oftmals keine formelle Diagnose erfolgt – und demzufolge auch keine Behandlung.

Die Forschungsergebnisse deuten zudem darauf hin, dass eine unbehandelte Schlafapnoe stark mit einer Verschlechterung der mentalen, kognitiven und körperlichen Gesundheit von Sportlern nach deren aktiver Karriere einhergeht.

Studienautoren vermuten hohe Dunkelziffer

Für die kürzlich im Journal „Neurology“ veröffentlichte Studie untersuchten Wissenschaftler von Vanderbilt Health und der Football Players Health Study an der Harvard University (beide USA) fast 2000 ehemalige Football-Spieler. Die Studie ergab, dass zwar bei etwa 32 Prozent der Teilnehmenden bereits eine Schlafapnoe diagnostiziert worden war. Die Forschenden schätzten die tatsächliche Prävalenz jedoch eher auf 69 Prozent, wenn man die nicht diagnostizierten Personen berücksichtigte, deren Screening-Untersuchungen ein erhöhtes Risiko aufzeigten.

Douglas Terry, Assistenzprofessor für Neurochirurgie und Co-Direktor des Vanderbilt Sports Concussion Center, ist einer der Erstautoren der Studie. (Bildnachweis: Erin O. Smith / Vanderbilt University Medical Center)

Douglas Terry, Assistenzprofessor für Neurochirurgie und Co-Direktor des Vanderbilt Sports Concussion Center und einer der Erstautoren der Studie, erläutert die Risikofaktoren, die mit den körperlichen Merkmalen einhergehen, die häufig bei professionellen Football-Spielern zu beobachten sind.

Kräftige Statur erhöht das Schlafapnoe-Risiko

Terry fügt hinzu, dass bei vielen derjenigen, bei denen Schlafapnoe diagnostiziert wurde, diese nicht ausreichend behandelt werde. Umfrageergebnisse deuteten darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer, die an Schlafapnoe litten, nicht regelmäßig eine Behandlung mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck (CPAP) nutzten.

„Football-Spieler sind körperlich einzigartige Individuen“, erklärt Terry. „Sie sind oft recht groß und muskulös, und nach dem Ende ihrer aktiven Karriere kann ihr Körper sie anfälliger für verschiedene Gesundheitsrisiken machen. Männer mit einem hohen Body-Mass-Index und einem kräftigen Hals, wie er bei vielen ehemaligen Fußball-Spielern vorkommt, besitzen oft ein erhöhtes Risiko für Schlafapnoe.“

Ein Risikofaktor, der beeinflusst werden kann

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie auch, wie sich die Schlafapnoe bei Betroffenen auf andere Symptome – einschließlich kognitiver und emotionaler Auswirkungen – auswirken kann.

„Personen mit unzureichend behandelter oder nicht diagnostizierter Schlafapnoe wiesen verstärkte Symptome von Angsterkrankungen, Depressionen, chronischen Schmerzen und kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisproblemen auf“, berichtet Rachel Grashow, Ko-Erstautorin der Arbeit. Sie leitet die epidemiologischen Forschungsinitiativen der Football Players Health Study an der Harvard University. „Diese Untersuchung unterstreicht, dass Schlafapnoe ein beeinflussbarer Risikofaktor ist und dass bessere Vorsorgeuntersuchungen und die Einhaltung der Therapie die Lebensqualität deutlich verbessern können.“

Die Studie wurde von der National Football League Players Association (NFLPA) unterstützt.

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