Pankreaskarzinom: Nanopartikel für eine optimierte Krebstherapie

Ein Tumor unter dem Fluoreszenzmikroskop: Das Gewebe dieses Bauchspeicheldrüsentumors in einer Maus leuchtet grün, die Nanopartikel orange. Bild: ©Myrto Ischyropoulou / Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften

Forschende aus Göttingen und Karlsruhe haben einen neuen Behandlungsansatz für die Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt. 

Das interdisziplinäre Forschungsteam vom Max-Planck-Institut (MPI) für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat eine Methode entwickelt, die verspricht, Pankreaskarzinome zielgenau und mit weniger Nebenwirkungen als bei gängigen Krebstherapien zu behandeln. Mit Nanopartikeln transportierten sie Gemcitabin in großen Mengen direkt in den Tumor.

Nebenwirkungen verringern

„Das Medikament in hohen Konzentrationen mithilfe der Nanopartikel gezielt in die Tumorzellen einzubringen, erhöht die Wirksamkeit und verschont gesunde Zellen. Dies kann die starken Nebenwirkungen, die bei Gemcitabin auftreten, vermindern“, erklärt Dr. Myrto Ischyropoulou, Erstautorin der kürzlich im Fachjournal „Advanced Materials“ erschienenen Studie. „Zurzeit verabreicht man Patientinnen und Patienten den freien Wirkstoff. Der verteilt sich im ganzen Körper und kann in allen Körperregionen zu toxischen Effekten führen. Die Nanopartikel setzen den Wirkstoff dagegen vorwiegend im Tumor frei.“ PD Dr. Joanna Napp, tätig an der UMG, ergänzt: „Mittels bildgebender Verfahren konnten wir im Mausmodell bereits nachweisen, dass sich die Nanopartikel vermehrt an den Tumoren anreichern.“

Wirkungsvoller Therapieansatz

Mit dem Verabreichen von Nanopartikeln lassen sich zudem Resistenzmechanismen im Tumor umgehen. „Freies Gemcitabin wird oft sehr früh vom Tumor nicht mehr aufgenommen und ist dort somit weitgehend wirkungslos. Es führt aber dennoch zu erheblichen Nebenwirkungen, beispielsweise in Leber und Niere“, erklärt Prof. Claus Feldmann vom KIT. „Durch einen anderen Aufnahmemechanismus in Tumorzellen könnten unsere Nanopartikel hier ein sehr wirkungsvoller neuer Therapieansatz sein.“

Der Forschungserfolg sei ein exzellentes Beispiel für eine gelungene interdisziplinäre Zusammenarbeit, so Prof. Frauke Alves, Gruppenleiterin am MPI und der UMG. „Von der Idee über die Entwicklung der neuen Nanopartikel bis hin zum präklinischen Erproben haben Chemiker*innen, Biolog*innen, Pharmazeut*innen und Mediziner*innen Hand in Hand gearbeitet.“ Mit einer Ausgründung arbeiten die Wissenschaftler nun daran, ihre neuen Nanopartikel so schnell wie möglich aus der Testphase in die klinische Anwendung zu bringen.