Parkinson: Bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung2. März 2021 Eine gute Versorgung von Parkinson-Patienten geht nur im multidisziplinären Team. (Foto: ©Blue Planet Studio – stock.adobe.com) Wer eine zeitgemäße Parkinson-Therapie ernst nimmt, muss Parkinson-Patienten individuell behandeln. Mit diesem Appell verweisen Spezialisten auf die wichtige Rolle der multidisziplinären Versorgung. Die Parkinson-Erkrankung führt bei den Betroffenen zu verminderter Aktivität1, häufig zur Aufgabe des Berufs2 und zu schwerer Behinderung3. In Tiermodellen zeigen sich unter körperlichem Training neurorestaurative Effekte.4 Bekannt ist auch, dass körperliche Aktivität bereits das Risiko senkt, an Parkinson zu erkranken, wobei es zwischen Aktivität und Parkinson-Risiko eine Dosis-Wirkungs-Beziehung gibt.5 „Umso wichtiger ist die Beteiligung von spezialisierten Pflegekräften und Therapeuten an der Versorgung von Parkinson-Patienten“, betont Prof. Georg Ebersbach, Leiter des Parkinson-Zentrums Beelitz-Heilstätten. Denn: Eine spezialisierte Physiotherapie (verglichen mit konventioneller Physiotherapie) führt bei Parkinson-Patienten zu weniger Komplikationen, einer höheren Mobilität und auch einer höheren Lebensqualität.6 Multiprofessionelle Behandlung im Krankenhaus: bessere Kommunikation und Qualifikation „Zu einer optimalen Parkinson-Therapie gehört, dass verschiedene Disziplinen multiprofessionell zusammenarbeiten, dass dabei verschiedene Kenntnisse und Methoden interdisziplinär integriert werden und die Versorgung den gesamten Krankheitsverlauf umfasst“, sagt Ebersbach. Hinsichtlich der stationären Versorgung zeigt sich eine positive Entwicklung: Im Jahr 2010 lag der Anteil der Parkinson-Patienten, die eine Komplex-Behandlung erhielten, erst bei elf Prozent, 2016 wurden bereits 21 Prozent mit diesem multidisziplinären Standard behandelt.7 Dennoch ist die multidisziplinäre Versorgung sehr heterogen und wenig erforscht, wie eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 zeigt. Eine Auswertung von 48 Publikationen ergab, dass sowohl die Zusammensetzung der multidisziplinären Teams abweicht als auch die konzeptionellen Ansätze sehr unterschiedlich sind.8 Für die Organisation von multidisziplinären klinischen Pflegeteams sind vor allem zwei Punkte entscheidend: die Förderung der Kommunikation zwischen den Berufsgruppen und die Parkinson-spezifische Qualifikation des Pflegepersonals und anderer Berufsgruppen.9 Am 5. März 2021 können sich Angehörige von Pflege und Gesundheitsfachberufen im Bereich Parkinson im Rahmen der Multidisziplinären Akademie kostenlos fortbilden und austauschen (www.dpg-akbont-kongress-2021.de). Einen innovativen Ansatz zur zeit- und ortsunabhängigen Qualifikation über E-Learning-Programme bietet die im Februar 2021 an den Start gegangene Online-Pflegeschule Parkinson (www.online-pflegeschule.de). Von der isolierten Klinik zu Versorgungsnetzwerken Dass Parkinson-Netzwerke keine Utopie bleiben müssen, zeigt eine Arbeitaus dem Jahr 2020.10 Ausgewertet wurden Erfahrungen aus bestehenden Netzwerken. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass es zwar vielfältige integrierte Versorgungsansätze gibt, es sich dabei jedoch meist um Initiativen an einzelnen Standorten handelt, getragen von hohem persönlichem Engagement – ohne verbindliche Voraussetzungen durch den Gesetzgeber oder die Kostenträger. Eine ebenfalls 2020 erschienene Arbeit zeigt, dass in der Versorgung von Parkinson-Patienten häufig noch zu sehr von der Krankheit und zu wenig vom Patienten ausgegangen wird.11 Die Autoren nehmen einen Perspektivenwechsel vor und entwickeln einen proaktiven und patientenzentrierten Ansatz, der in integrierte Netzwerke eingebettet ist, in denen speziell geschulte Fachkräfte aus verschiedenen Disziplinen effektiv zusammenarbeiten. Herausforderungen der multiprofessionellen Behandlung Schon jetzt steht ein breites Spektrum an Therapieansätzen zur Verfügung, es werden aber mehr und bessere Studien benötigt, um das Potenzial der aktivierenden Therapien wissenschaftlich genauer zu evaluieren. Funktionierende Netzwerke können die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen und deren Parkinson-spezifische Qualifikation fördern. Eine zunehmende Rolle bei der Weiterentwicklung der Versorgung werden smarte Technologien zur Unterstützung und Evaluation aktivierender Therapien spielen. „Wichtig ist letztlich, dass die Betroffenen eine möglichst ,hohe Dosis‘ an wirksamen aktivierenden Therapien erhalten und der Transfer der Trainingsinhalte in den Alltag begleitet und gefördert wird“, so Ebersbach. Originalpublikationen: 1. Marlies van Nimwegen et al. J Neurol 2011 2. Kirsti K Martikainen et al. Mov Disord 2006 3. Maries A Hely et al. Mov Disord 2008 4. Palasz E et al. Front Neurol; 10:1143. 1. November 2019 5. Fang X et al. JAMA Network Open, 21. September 2018 6. Ypinga JHL et al. Lancet Neurol, Vol. 17 Iss 2, 2017 7. InEK Datenportal (Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus) 8. Rajan R et al. Movement Disorders, Vol. 35, No. 9, 2020 9. Radder DLM et al. Jour of Parkinson’s Dis 10, 1087–1098, 2020 10. Eggers C et al. Fortschr Neurol Psychiatr; 88:586–590, 2020 11. Bloem B et al. Lancet Neurol. 25. Mai 2020 Multidisziplinäre Akademie am 5. März 2021 Kostenlose virtuelle Live-Veranstaltung für Pflege- und Gesundheitsfachpersonal im Bereich Parkinson und Bewegungsstörungen, Sprach- und BewegungstherapeutInnen sowie Parkinson Nurses – Fortbildung zu den aktuellen Entwicklungen bei der Versorgung von Parkinsonpatienten im Dialog mit verschiedenen Berufsgruppen.
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