Parkinson: Neuer Ansatz gegen motorische Störungen

Prof. Tiago Outeiro, Direktor der Abteilung Experimentelle Neurodegeneration der Universitätsmedizin Göttingen, ist Ko-Autor der Publikation. (Foto: privat)

Prominentes Merkmal von Morbus Parkinson sind motorische Beeinträchtigungen: Patienten leiden unter Zittern und Steifigkeit der Arme und Beine. Wissenschaftler aus Bonn und Göttingen haben nun an Mäusen einen experimentellen Wirkstoff getestet, der die Parkinsonsymptome der Tiere reduzierte, und dessen Wirkmechanismus entschlüsselt.

Die Mikroglia schützt Neuronen vor Schadstoffen und Erregern. Bei einer Parkinson-Erkrankung entwickelt sich allerdings eine chronische Entzündung, in deren Folge die Immunzellen Stoffe freisetzen, die die Nervenzellen schädigen und letztlich deren Tod herbeiführen.

In ihrer Studie verwendeten die Forscher einen experimentellen Wirkstoff, dessen entzündungshemmende Wirkung bereits aus Voruntersuchungen bekannt war. „Diese Substanz ist in der Lage, bis ins Innere der Mikroglia zu gelangen und dort einen molekularen Schalter umzulegen, der die Entzündungsreaktion dämpft. Der Wirkstoff wurde bereits in klinischen Studien an Menschen untersucht, als mögliches Mittel gegen Angststörungen. Insofern gibt es zu dieser Substanz bereits Daten, die Sicherheit und Verträglichkeit am Menschen belegen”, sagte Prof. Anja Schneider, Arbeitsgruppenleiterin am DZNE in Bonn. 

Schneider sowie weitere Wissenschaftler aus Bonn und Göttingen untersuchten die Wirkung dieser Substanz mit dem Namen „Emapunil“ auf Mäuse. Die Tiere zeigten Bewegungsstörungen, ausgelöst vom Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra. Die Behandlung der Mäuse mit Emapunil linderte die Symptome. „Tiere, die den Wirkstoff erhielten, konnten sich kontrollierter bewegen als die unbehandelten Tiere einer Vergleichsgruppe“, sagte Prof. Tiago Outeiro, Direktor der Abteilung Experimentelle Neurodegeneration an der UMG und Ko-Autor der Studie.

Die Wissenschaftler identifizierten mögliche Ursachen dafür. „Wir konnten zeigen, dass Emapunil auf Nervenzellen eine schützende Wirkung hat. Daran scheinen verschiedene Mechanismen beteiligt zu sein“, sagte Outeiro. „Der Wirkstoff beeinflusst die Mikroglia und dämpft Entzündungsreaktionen. Das war im Grunde genommen schon bekannt. Wir haben nun herausgefunden, dass diese Substanz auch direkt auf Nervenzellen wirkt. Besonders in diesen Zellen vermindert Emapunil die sogenannte ungefaltete Proteinantwort. Das ist eine Stressreaktion, die zum Zelltod führen kann.“

Molkeularer Rezeptor

Aus bisherigen Untersuchungen war bereits bekannt, dass Emapunil an ein Molekül mit dem Namen TSPO (Translocator Protein) bindet. Dieser Rezeptor kommt in Nervenzellen und Mikroglia vor. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass TSPO grundsätzlich ein Ansatzpunkt für Wirkstoffe gegen neurodegenerative Erkrankungen sein könnte“, sagte Prof. Markus Zweckstetter, Wissenschaftler am DZNE-Standort Göttingen und am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Die Forscher schlagen vor, die beteiligten Mechanismen weiter zu untersuchen. „Im Labor lassen sich immer nur Teilaspekte einer Parkinson-Erkrankung nachbilden“, sagte Schneider. „Deswegen möchten wir anregen, die aktuellen Ergebnisse in weiteren Laboruntersuchungen und anhand anderer Krankheitsmodelle zu überprüfen. Wenn es sich bewährt, bei TSPO anzusetzen, könnte diese Strategie in klinischen Studien zur Parkinson-Erkrankung erprobt werden.“

Originalpublikation:
Gong J. et al.: Translocator protein ligand protects against neurodegeneration in the MPTP mouse model of Parkinsonism. JNeurosci, 22. Februar 2019