Parkinson-Therapie im heimischen Wohnzimmer12. April 2022 Parkinson-Patienten, die mit einer Tiefenhirnstimulation (THS) behandelt werden, können jetzt von einer neuartigen telemedizinischen Behandlungsoption profitieren. (© Abbott Medical GmbH) Die Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz ermöglicht Patienten mit Bewegungsstörungen, die mit einer Tiefenhirnstimulation (THS) behandelt werden, die Einstellung des Implantats per Fernzugriff zu prüfen und anzupassen. Gleichzeitig haben die Patienten die Möglichkeit, in ihrer häuslichen Umgebung per Video-Chat mit den behandelnden Ärzten zu kommunizieren. „Bislang erfolgen intensivere Anpassungen der THS-Therapie zumeist bei einem stationären Klinikaufenthalt oder durch wiederholte ambulante Termine in der Klinik. Vor allem bei weiteren Anfahrtswegen sind diese für die Betroffenen aber nicht einfach zu realisieren“, erläutert Prof. Sergiu Groppa, Leiter der Sektion Bewegungsstörungen und Neurostimulation der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz. Er betont: „Für Parkinson-Betroffene kann die Anreise zur Klinik eine große körperliche Herausforderung darstellen. Das von uns neu eingesetzte telemedizinische Therapieverfahren spart nicht nur die Anfahrtswege und -zeiten. Von besonderer Bedeutung ist gerade in der aktuellen Pandemie-Situation auch, dass damit direkte Kontakte reduziert werden können.“ Ein weiterer Vorteil der THS-Therapie per Ferneinstellung: Durch die Behandlung in der häuslichen Umgebung können die individuellen Bedürfnisse der Patienten noch besser in die Therapieplanung einbezogen werden. „Jede Therapieeinstellung, die in der Klinik vorgenommen wurde und dort einen guten Effekt gezeigt hat, muss anschließend im Alltag erprobt werden. Mithilfe der Telemedizin können wir die Anpassungen dagegen in Echtzeit und über die räumliche Distanz hinweg direkt im Alltagsumfeld gemeinsam mit dem Patienten testen und optimieren. Das gibt den Betroffenen eine zusätzliche Sicherheit“, erklärt Groppa. In der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz wird das THS-Verfahren seit 2005 in enger Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie eingesetzt. Jährlich werden rund 30 bis 40 Eingriffe durchgeführt. Damit zählt die Universitätsmedizin Mainz eigenen Angaben zufolge zu den größten THS-Behandlungszentren in Deutschland. Seit Ende Oktober 2021 steht den THS-Patienten in Mainz zusätzlich die telemedizinische THS-Therapie zur Verfügung. Ermöglicht wird dies durch eine Softwarelösung des Unternehmens Abbott, die einen In-App-Videochat sowie eine Programmier-App umfasst. Damit können die behandelnden Ärzte per Ferntherapiemanagement über eine Cloud- und Bluetooth-basierte Technologie den Batteriestatus des Hirnstimulators abfragen sowie notwendige Einstellungen und Anpassungen der Stimulationstherapie vornehmen. Nach Angaben des Herstellers werden dabei alle Maßgaben zur IT-Sicherheit, zum Datenschutz und mit Hinblick auf Einwilligungsmodalitäten gewährleistet. Bei einem Stromausfall oder einer instabilen Internetverbindung schalte der Hirnstimulator umgehend in einen sicheren Modus auf Basis der letzten oder der vorherigen Einstellung. Bisher ist die Software ausschließlich für Apple-Geräte verfügbar. Zukünftig soll die Anwendung auch für weitere Betriebssysteme bereitgestellt werden.
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