Paroxysmales Vorhofflimmern: Pulsed-Field-Ablation im direkten Vergleich mit Kryoballonablation14. April 2025 Symbolfoto: ©Damian/stock.adobe.com In einer aktuellen Studie erzielte die Pulsed-Field-Ablation (PFA) im Vergleich zur herkömmlichen Katheterablation per Kryoballon eine höhere Erfolgsquote mit seltenerem Wiederauftreten von Herzrhythmusstörungen bei gleichzeitig hoher Sicherheit und kürzerer Eingriffsdauer. Seit 2021 steht die PFA als neue Methode zur Behandlung von Vorhofflimmern zur Verfügung. Im Gegensatz zur herkömmlichen Katheterablation, die mit Hitze oder Kälte arbeitet, nutzt die PFA kurze elektrische Impulse, um gezielt die fehlerhaften Herzmuskelzellen auszuschalten. Die Technik soll das umliegende Gewebe schonen und das Risiko für Nebenwirkungen reduzieren. Erstmals Vergleich von PFA und Kryoballonablation Ein Schweizer Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Tobias Reichlin von der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals und Prof. Christian Sticherling vom Herzzentrum des Universitätsspitals Basel verglich nun erstmals in einer randomisierten, kontrollierten klinischen Studie namens SINGLE SHOT CHAMPION die Wirksamkeit und Sicherheit der PFA mit der Kryoballonablation, einer herkömmlichen Form der Katheterablation. Dazu teilten die Forschenden 210 Patienten mit Vorhofflimmern nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Behandlungsmethoden zu: Während die eine Gruppe mit der etablierten Kryoballonablation behandelt wurde, erhielt die andere Gruppe eine PFA. Anschließend wurden beide Gruppen über ein Jahr hinweg engmaschig mit einem unter die Haut implantierten Ereignisrecorder überwacht, um das Auftreten erneuter Herzrhythmusstörungen genau zu erfassen. Vielversprechende Resultate mit schonender PFA Die Studienergebnisse, die auf dem europäischen Kongress für Rhythmologie (EHRA) in Wien vorgestellt und im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass die PFA der Kryoballonablation nicht unterlegen ist. Außerdem weist sie eine geringere Rate an erneut auftretenden Herzrhythmusstörungen auf: In der PFA-Gruppe traten bei 37 Prozent der Patienten erneut Rhythmusstörungen auf, während es in der Kryoballon-Gruppe 51 Prozent waren. Auch war die Eingriffsdauer mit der neuen Methode mit 55 Minuten deutlich kürzer als mit der etablierten Methode, bei welcher die Untersuchung 73 Minuten dauerte. In beiden Gruppen gab es nur sehr wenige Komplikationen. Vergleich mit Ergebnissen aus ADVENT Die aktuellen Studienergebnisse erweitern die Kenntnisse zur Wirksamkeit der PFA im Vergleich zur herkömmlichen Katheterablation. Im Jahr 2023 wurden die Ergebnisse der randomisierten Nichtunterlegenheits-Studie ADVENT veröffentlicht, die einen ähnlichen Vergleich angestellt, aber keinen Vorteil der PFA gefunden hatte. Die Studienautoren von SINGLE SHOT CHAMPION erklären die unterschiedlichen Resultate einerseits damit, dass die Vergleichsgruppe in ADVENT neben der Kryoballonablation auch die Radiofrequenzablation beinhaltete. Weiterhin hätten die Kliniker in ADVENT keine Erfahrungen in der Anwendung der PFA gehabt, wohingegen alle Operateure in SINGLE SHOT CHAMPION mindestens sechs Monate Erfahrung in der Durchführung von PFA vorweisen mussten. Schließlich wurde in der ADVENT-Studie eine intermittierende Holter-Überwachung anstelle einer kontinuierlichen Rhythmusüberwachung eingesetzt, was zu einer geringeren Erkennung von Rezidiven und einer geringeren Fähigkeit, Unterschiede zwischen den Gruppen zu erkennen, führte, wie Reichlin und Kollegen erläutern. Studienlimitationen Die Autoren verweisen zudem auf einige Einschränkungen ihrer Studie: Es kam ausschließlich das pentaspline PFA-System zum Einsatz, die Ergebnisse sind möglicherweise nicht auf andere Systeme übertragbar. Nach dem Ablationsverfahren wurden implantierbare Herzmonitore eingesetzt, was eine Bewertung der Belastung durch Vorhofflimmern zu Beginn der Behandlung verhinderte. Es wurde ein zufälliges Ungleichgewicht zwischen den Gruppen (linkes gemeinsames Ostium häufiger in der Kryoballon- als in der PFA-Gruppe) festgestellt, dass die PFA begünstigt haben könnte. Eine Post-hoc-Subgruppenanalyse fand jedoch keinen Unterschied in den Behandlungseffekten. Begrenzung der Nachbeobachtungszeit auf ein Jahr. Längerfristige Ergebnisse sollen zusätzlich nach drei Jahren erhoben werden. Die Lebensqualität wurde mittels allgemeiner EQ-5D-5L-Skala bewertet. Speziell auf Vorhofflimmern zugeschnittene Skalen könnten empfindlicher auf Veränderungen reagieren. Der Überlegenheitstest für das Wiederauftreten von Vorhofflimmern nach einem Jahr war formal positiv, erreichte aber nur eine geringe statistische Signifikanz (p=0,046). Die Frage nach der tatsächlichen Überlegenheit müsste daher in größeren Ergebnisstudien untersucht werden. PFA als neuer Goldstandard? Trotz dieser Einschränkungen sehen die Forscher die PFA als eine vielversprechende Alternative zur Kryoballonablation. „Die Erkenntnisse dieser Studie werden das Gebiet der Vorhofflimmer-Ablation weltweit und auf Jahre hinaus nachhaltig beeinflussen“, erklärt Reichlin. Letztautor Sticherling ergänzt: „Die höhere Erfolgsrate ist mit einem direkten Patientennutzen verbunden. Es ist zu erwarten, dass sich die PFA in den kommenden Jahren weltweit als neuer Goldstandard in der minimalinvasiven Behandlung von Vorhofflimmern etablieren und Eingang in die Leitlinien der Fachgesellschaften finden wird.“ Weitere Studien sollen nun zeigen, wie sich die Ablation mit PFA langfristig auf den Krankheitsverlauf sowie auf das Risiko von Herzschwäche und Schlaganfällen auswirkt. (ah)
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