Patienten dürfen keinesfalls auf wichtige Diagnostik verzichten21. Mai 2020 Foto: © arcyto – Adobe Stock Eine erste repräsentative Umfrage vom 7.4.2020 unter 30 deutschen Universitätspathologien ergibt einen massiven Rückgang von Gewebe-Einsendungen. Daran lässt sich der Einbruch von ärztlicher Tätigkeit im stationären und insbesondere im ambulanten Bereich ablesen. Seit der Corona-Krise verzeichnen Pathologen einen deutlichen Einbruch bei eingesendeten Gewebeproben. Dies ergab eine erste repräsentative Umfrage vom 7. April 2020 unter 30 deutschen Universitätspathologien. Mehr als die Hälfte der Universitätsinstitute meldeten einen Rückgang von mehr als 20 Prozent seit Beginn der Corona-Krise 2020. Initiator dieser Umfrage war die DGP, Deutsche Gesellschaft für Pathologie. Da Pathologen sämtliche im Rahmen von Untersuchungen oder Operationen entnommenen Biopsien auf krankhafte Veränderungen untersuchen, lässt sich an rückläufigen Zahlen der Einbruch von ärztlicher Tätigkeit sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich ablesen. „Die Schließung von Praxen/Polikliniken und die Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 hat viele Patienten von Arztbesuchen abgehalten“, erklärt Prof. Dr. Gustavo Baretton, Pathologe am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pathologie.“ Rund 230 000 Krebstodesfälle jährlich Die berechtigte Sorge um Vermeidung von Infektionen mit SARS-CoV-2 darf andere schwere Erkrankungen nicht aus dem Blick verlieren. „In Deutschland ist Krebs mit jährlich rund 230 000 Krebstodesfällen derzeit die zweithäufigste Todesursache – nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, weiß Baretton. „Diese Patienten mit schweren Erkrankungen darf man nicht vergessen.“ Im Zuge der Krise wurden sämtliche Screening-Programme gestoppt. „Brust- und Darmkrebs sind zwei Beispiele von Tumoren, bei denen eine frühe Diagnose für eine erfolgreiche Therapie entscheidend ist“, betont der Pathologe. „In unserer Klinik – und auch nach Berichten von Kollegen – beobachten wir im Rahmen der Lockerungsmaßnahmen aktuell überdurchschnittlich viele positive Befunde, was auf eine verzögerte Diagnostik hindeutet – ohne dass bislang konkrete Zahlen vorliegen“. Auch die Zahl der in Tumorkonferenzen vorgestellten Patientenfälle sind deutlich zurückgegangen. In einzelnen Zentren, so eine Information der DGHO, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, um bis zu 30 oder 50 Prozent. „Es wurden Operationen hinausgezögert, weil in den Kliniken Intensivbetten vorgehalten werden mussten. Hier griff die gesetzliche Vorgabe, nicht dringliche – also sogenannte elektive – Operationen zu verschieben. Was darunter fällt, ist im Einzelfall nicht immer leicht zu entscheiden. Nur langsam normalisiert sich der Prozess wieder in den Kliniken“, so Baretton. Inzwischen haben sich der ambulante und stationäre Gesundheitsbereich auf die aktuelle Situation eingestellt und die Sicherheitsvorkehrungen verbessert. Wo möglich, finden telefonische oder telemedizinische Besprechungen statt. Auch das Patienten-Management mit zeitlich gestreckter Einbestellung von Patienten und Abstandsvorschriften sowie Hygienevorschriften wurden optimiert. Der Dresdner Spezialist: „So besteht derzeit kein Grund mehr, wegen Corona auf wichtige Diagnostik zu verzichten.“ Pathologen arbeiten zu 95 Prozent am lebenden Menschen Die Arbeit von Pathologen ist im Rahmen der COVID-19-Krise verstärkt in den Fokus geraten. Ihre Obduktionsergebnisse haben entscheidend zum Verständnis beigetragen, welche Schäden die Infektion im Körper und in den Organen auslöst. „Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass die Arbeit von Pathologen zu etwa 95 Prozent an Einsendungen von lebenden Patienten stattfindet“, so Baretton. „Mit Hilfe der modernen histo- und molekularpathologischen Untersuchungen werden alle im Rahmen von medizinischen Prozeduren entnommenen Gewebeproben auf krankhafte Veränderungen analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik von Krebserkrankungen. Damit tragen Pathologen entscheidend dazu bei, die individuell optimale Therapie zu identifizieren und dem einzelnen Menschen Lebensqualität zu erhalten.“
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