Patientennahe Sofortdiagnostik bei Atemwegsinfekten zur Reduktion von Antibiotika30. November 2023 © Syda Productions – stock.adobe.com (Symbolbild) Mit dem Einsatz einer patientennahen Sofortdiagnostik (Point-of-Care-Testing auf C-reaktives Protein [CRP]) bei nichtschweren Atemwegsinfektionen in der Primärversorgung kann laut den Ergebnissen einer vietnamesischen Studie die Verwendung von Antibiotika wirksam reduziert werden. Die Autoren beobachteten in ihrer Untersuchung allerdings auch eine geringe Akzeptanz von CRP-Tests. Dieser Umstand lasse drauf schließen, dass noch Hindernisse bei der Implementierung und Einhaltung einer solchen Strategie mit Point-of-Care-Tests aus dem Weg geräumt werden müssen, bevor solche Maßnahmen in größerem Umfang angegangen werden können. Wie die Forschenden zum Hintergrund ihrer Arbeit schreiben, hat sich schon früher in Untersuchungen gezeigt, dass sich mit Point-of-Care-Tests zur Ermittlung der CRP-Konzentrationen der Antibiotikaeinsatz bei nichtschweren akuten Atemwegsinfektionen in der Primärversorgung sicher reduziert lässt. Die Wissenschaftler betonen aber den möglicherweise dabei die Ergebnisse beeinflussenden Kontext einer Forschungsumgebung und analysierten daher stattdessen Daten aus der tatsächlichen Routineversorgung (fast 40.000 Patienten aus 48 kommunalen Gesundheitszentren in Vietnam; Studienzeitraum: 01.06.2020–12.05.2021). Die an der Studie teilnehmenden Zentren betreuten jeweils >3000 Menschen und behandelten 10–40 Atemwegsinfektionen pro Woche. Die Zentren wurden randomisiert eingeteilt in solche, die Point-of-Care-Test auf CRP plus Standardversorgung anboten (24 Zentren; 18.621 Patienten) bzw. ausschließlich die Standardversorgung (ebenfalls 24 Zentren; 21.235 Patienten). Die in die Untersuchung eingeschlossenen Patienten waren zwischen 1 und 65 Jahre alt und stellten sich wegen eines Verdachts auf eine Atemwegsinfektion vor, wobei sie ≥1 Symptom aufwiesen (nicht >7 Tage). Der primäre Endpunkt der Studie bestand in dem Anteil der Patienten, dem bei der 1. Behandlung ein Antibiotikum in der Intention-to-Treat-Population verschrieben wurde. Die protokollbasierte Analyse umfasste nur Personen, die sich einem CRP-Test unterzogen hatten. Zu den sekundären Sicherheitsergebnissen gehörten die Zeit bis zum Abklingen der Symptome und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten. Antibiotika erhielten 17.345 (93,1%) Patienten in der Interventionsgruppe, verglichen mit 20.860 (98,2%) in der Kontrollgruppe (adjustiertes relatives Risiko 0,83; 95%-KI 0,66–0,93). Nur 2606 (14%) der 18.621 Patienten in der Interventionsgruppe erhielten einen CRP-Test und wurden in die Per-Protokoll-Analyse einbezogen. Bei der Beschränkung der Analysen auf diese Population stellten die Forschenden in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe einen stärkeren Rückgang der Verschreibungen fest (adjustiertes relatives Risiko 0,64; 95%-KI 0,60–0,70). Keine Unterschiede zwischen den Gruppen beobachtete man im Hinblick auf die Zeit bis zum Abklingen der Symptome (HR 0,70; 95%-KI 0,39–1,27) und die Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen (Intervention: 9 vs. Kontrollen: 17; adjustiertes relatives Risiko 0,52; 95%-KI 0,23–1,17). Fazit Der Einsatz von CRP-Tests in der Praxis hat die Verschreibung von Antibiotika bei Patienten mit nicht schweren akuten Atemwegsinfektionen in der medizinischen Grundversorgung in Vietnam wirksam reduziert, ohne die Genesung der Patienten zu beeinträchtigen. Die geringe Akzeptanz der CRP-Tests deutet darauf hin, dass die Hindernisse für die Umsetzung und Einhaltung der Vorschriften vor der Ausweitung der Maßnahme beseitigt werden müssen. (ac) Autoren: Do NTT et al. Korrespondenz: Sonia Lewycka; [email protected] Studie: Implementation of point-of-care testing of C-reactive protein concentrations to improve antibiotic targeting in respiratory illness in Vietnamese primary care: a pragmatic cluster-randomised controlled trial Quelle: Lancet Infect Dis 2023;23(9):1085–1094. Web: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00125-1
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