ESMO 2026 Neue Daten stärken perioperatives Apalutamid plus ADT als mögliche Behandlungsoption bei Hochrisiko-Prostatakarzinom27. Oktober 2026 Bild KI-generiert mit Gemini Die perioperative Kombination aus Apalutamid und Androgendeprivationstherapie (ADT) könnte die Behandlung des lokalisierten Hochrisiko-Prostatakarzinoms verändern. Eine Substudie der Phase-III-Studie PROTEUS zeigt gegenüber der alleinigen radikalen Prostatektomie ein um 51 Prozent geringeres Risiko für Metastasierung oder Tod. Apalutamid ist ein Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) der nächsten Generation. In Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) vor und nach der Prostatektomie reduziert der Wirkstoff bei Patienten mit Hochrisiko-Prostatakarzinom das Risiko für Metastasierung und Tod stärker als eine radikale Prostatektomie allein. Das geht aus einer Substudie der Phase-III-Studie PROTEUS hervor, deren Ergebnisse auf dem ESMO-Kongress 2026 in Madrid (Spanien) präsentiert und zeitgleich in der Fachzeitschrift „European Urology“ veröffentlicht wurden. Apalutamid ist bereits zur Behandlung des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms (mHSPC) sowie des nicht metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCSPC) zugelassen. Die aktuellen Daten könnten den Wirkstoff auch beim Hochrisiko-Prostatakarzinom als neuen Therapiestandard etablieren. Apalutamid gegenüber Placebo mit besseren Ergebnissen Die Ergebnisse der klinischen Phase-III-Studie PROTEUS waren bereits im Frühjahr 2026 auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und im „New England Journal of Medicine“ publiziert worden (wir berichteten). Unter der Leitung von Dr. Mary-Ellen Taplin vom Dana-Farber Cancer Institute (USA) untersuchte das Team die Wirksamkeit der Kombinationstherapie bei Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko- oder lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (HR LPC/LAPC). Die perioperative Gabe von Apalutamid plus ADT erhöhte im Vergleich zu Placebo die Wahrscheinlichkeit, zum Zeitpunkt der Operation nur noch geringe oder keine nachweisbare Tumorlast aufzuweisen, um den Faktor neun. Zudem reduziert die Kombinationstherapie das Risiko für Metastasierung oder Tod um 20 Prozent, während sich der Beginn einer nachfolgenden Therapie im Vergleich zur alleinigen ADT um 33 Monate verzögerte. „Nach der Vorstellung der PROTEUS-Ergebnisse auf der ASCO-Tagung blieb eine wichtige Frage offen: Wie schneidet dieses Regime im Vergleich zur alleinigen Prostatektomie als Therapiestandard ab?“, erklärt Taplin. Die Beantwortung dieser Frage sei entscheidend, um die gesamte klinische Bedeutung der Ergebnisse zu verstehen und daraus fundierte Therapieentscheidungen für betroffene Patienten abzuleiten. Vorteil auch gegenüber der alleinigen Prostatektomie Bei der PROTEUS-Substudie handelte es sich um eine randomisierte Studie im Zuteilungsverhältnis 1:3 mit insgesamt 408 Patienten mit neu diagnostiziertem, lokalisiertem Hochrisiko- oder lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom. Ziel war es, die Wirksamkeit von perioperativem Apalutamid plus ADT mit der alleinigen radikalen Prostatektomie als Therapiestandard zu vergleichen. Patienten, die eine Kombinationstherapie erhielten, wurden über jeweils sechs Monate vor und nach der Operation mit Apalutamid und einer ADT behandelt und erhielten zudem eine pelvine Lymphadenektomie. Primärer Endpunkt war das ereignisfreie Überleben (event-free survival, EFS). Als Ereignisse galten ein PSA-Rezidiv, ein klinisches Rezidiv sowie ein Rezidivnachweis mittels PSMA-PET oder konventioneller Bildgebung. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 37,8 Monaten führte die Kombination aus Apalutamid, ADT und Prostatektomie zu einer Verbesserung des EFS um 62 Prozent. Das Risiko für Metastasierung oder Tod war um 51 Prozent reduziert. Darüber hinaus verringerte die Kombination das Risiko, eine weitere Therapie beginnen zu müssen, um 71 Prozent. Nach drei Jahren hatten 50 Prozent weniger Patienten eine Folgetherapie begonnen. Das Nebenwirkungsprofil entsprach dabei den Ergebnissen zuvor publizierter Studien. „Die Substudie zeigte eine überlegene Wirksamkeit von perioperativem Apalutamid in Kombination mit ADT gegenüber der alleinigen radikalen Prostatektomie bei Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko- beziehungsweise lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom. Damit werden die Ergebnisse der PROTEUS-Hauptstudie weiter gestützt“, fasst Taplin zusammen. Die Gesamtheit der Ergebnisse sprechen ihrer Ansicht nach dafür, dass perioperatives Apalutamid in Kombination mit ADT und Prostatektomie potenziell eine bevorzugte Behandlungsoption für Patienten darstelle, die sowohl für eine Operation als auch eine systemische Therapie infrage kämen. (mkl/BIERMANN)
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