Perkutane Koronarintervention bei KHK: Vorteil durch optische Kohäranztomographie?

Die optische Kohärenztomographie erzeugt hochauflösende Bilder der Innenwände von Blutgefäßen und ermöglicht eine klare Vorstellung von Blockaden und Beschädigungen. Foto: ©Vollmer/DHZC

Wie sind Nutzen und Sicherheit der optischen Kohärenztomographie (OCT) als laser-basiertes Bildgebungsverfahren für die Perkutane Koronarintervention (PCI) zu bewerten? Eine Studie im „New England Journal of Medicine“ gibt Aufschluss.

Zu den wichtigsten Therapiemöglichkeiten der Koronaren Herzerkrankung (KHK) gehört die PCI: Über einen Herzkatheter wird ein Stent in das Gefäß eingebracht, um es dauerhaft offen zu halten. Die exakte und sichere Platzierung dieses Stents ist maßgeblich für die Vermeidung von Komplikationen und den langfristigen Erfolg der Behandlung. Das etablierte bildgebende Verfahren im Rahmen dieses Eingriffs ist die Angiographie, bei welcher die Herzgefäße durch Verabreichung eines Kontrastmittel auf dem Röntgenbild sichtbar gemacht wird.

Darüber hinaus steht die OCT als laser-basiertes Bildgebungsverfahren zur Verfügung. Sie erzeugt hochauflösende Bilder der Innenwände von Blutgefäßen und ermöglicht eine klare Vorstellung von Blockaden und Beschädigungen. Bei der nun im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten und auf dem europäischen Kardiologenkongress in Amsterdam (Niederlande) vorgestellten multizentrischen Studie ILUMIEN IV wurde der zusätzliche Nutzen dieser Methode untersucht. Mit 2487 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten in 18 Ländern ist es die bisher umfassendste Studie zu diesem Thema weltweit. Prof. Ulf Landmesser, stellvertretender Ärztlicher Direktor des DHZC und Leiter der Klink für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin, gehört zu den beiden Leitern von ILUMIEN IV. 

Die Studienteilnehmer galten aufgrund eines medikamentös behandelten Diabetes oder der Schwere der KHK als Hochrisiko-Patienten. Nach dem Zufallsprinzip wurde bei jeweils rund der Hälfte der Patienten eine PCI mithilfe der OCT oder der Angiographie durchgeführt.

Die Auswertung zeigte, dass die Querschnittsfläche der Stents, die mithilfe der OCT eingesetzt wurden, größer war. Eine große Stentfläche gilt als wichtiges Kriterium für den langfristigen Erfolg der Behandlung. Entsprechend kam es während der OCT-geleiteten PCI zu deutlich weniger Behandlungskomplikationen. Insbesondere eine gefährliche Stentthrombose trat in der OCT-Gruppe deutlich seltener auf.

Im Langzeitergebnis ergaben die Studiendaten dagegen keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen bezüglich der Notwendigkeit einer erneuten Therapie des behandelten Gefäßes. Die Verfasser der Studie geben dabei allerdings zu bedenken, dass dieses Langzeitergebnis von der COVID-Pandemie beeinflusst sein könnte. Die Angst der Patienten vor einem Krankenhausaufenthalt und die eingeschränkten Ressourcen des Gesundheitswesens während der Pandemie könnten die Zahl der Nachbehandlungen verringert haben.

Trotz dieser Einschränkung sieht Landmesser in der Studie einen nachhaltigen Beitrag zur weiteren Verbesserung der PCI mit hoher klinischer Relevanz: „Unsere Ergebnisse unterstreichen gemeinsam mit der aktuellen Metaanalyse die Effizienz und Sicherheit der OCT-Technologie und geben behandelnden Kolleg:innen weltweit eine auf validen Daten basierende Grundlage zur Wahl der Bildgebung im Herzkranzgefäß.“