Perkutane Trikuspidalklappenreparatur: Ein zukünftiger Weg aus der Rechtsherzinsuffizienz?22. Februar 2022 Die beiden Studienleiter Jörg Hausleiter (links) und Thomas Stocker vom LMU Klinikum München. Foto: LMU Klinikum München Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) überprüft, ob Menschen mit einer insuffizienten Trikuspidalklappe von einer Katheter-gestützten Reparatur der Herzklappe profitieren. Geleitet wird die Studie von Wissenschaftlern am LMU Klinikum München. Eine insuffiziente Trikuspidalklappe stellt eine schwere und fortschreitende Erkrankung dar, die oftmals zu einer zusehenden Verschlechterung des klinischen Zustandes führt. Bis vor einiger Zeit standen zur Behandlung der Herzklappe ausschließlich herzchirurgische Operationsverfahren zur Verfügung und erst während der letzten Jahre sind minimal-invasive Behandlungsmethoden mittels Herzkathetertechnik verfügbar. Über einen kleinen Schnitt in der Leiste schiebt der Arzt einen Katheter über die Vene bis zum Herzen vor, wo er die Klappe dann mithilfe spezieller Systeme reparieren kann. Die DZHK-Studie TRICI-HF-DZHK24 ist die erste industrie-unabhängige, multizentrische Studie, die für mehrere solcher Katheter-gestützten Systeme überprüft, ob dieser Eingriff den Patientinnen und Patienten Vorteile bringt, verglichen mit einer rein medikamentösen Therapie. Dafür beurteilen die Forschenden über einen Zeitraum von 12 Monaten nach dem Eingriff, wie viele Studienteilnehmende überleben und ob eine Krankenhauseinweisung aufgrund von Herzschwäche notwendig wird. Neue Behandlungsmöglichkeiten werden dringend benötigt Eine insuffiziente Trikuspidalklappe kann der Körper über einen längeren Zeitraum tolerieren, anfängliche Beschwerden sind eher unspezifisch, die Betroffenen fühlen sich müde und abgeschlagen. Auf Dauer kann sich durch den Klappenfehler eine Rechtsherzschwäche entwickeln, dann treten zum Beispiel Wassereinlagerungen in den Beinen und der Lunge auf, und die Patientinnen und Patienten sind schon im Alltag weniger belastbar. Bisher gibt es nur wenige Medikamente, um eine solche Rechtsherzschwäche zu behandeln. Dazu gehören entwässernde Medikamente (Diuretika). Sie lindern die Beschwerden, können das eigentliche Problem aber nicht lösen. Auch herzchirurgische Optionen sind problematisch, denn mit einer fortgeschrittenen Rechtsherzschwäche, steigt das OP-Risiko. „Weltweit liegt das Risiko an einer Operation der Trikuspidalklappe zu versterben bei zehn Prozent“, berichten die Studienleiter Prof. Jörg Hausleiter und PD Thomas Stocker vom LMU Klinikum München. „Viele Patientinnen und Patienten werden deshalb erst gar nicht operiert, dies ist ein großes Problem.“ Die neuen Katheter-gestützten Techniken, um die Trikuspidalklappe abzudichten, seien daher sehr bedeutend. Dabei handelt es sich zum einen um Clip-Systeme, die eine Art Klammer darstellen, die gezielt in das Herz eingeführt und an die Klappensegel befestigt werden. Außerdem steht ein Ring zur Verfügung, der um die Trikuspidalklappe gelegt werden kann und zur Raffung der Herzklappenbasis verwendet wird. Technisch anspruchsvoller Eingriff Der Katheter-gestützte Eingriff ist technisch nicht ganz einfach, weshalb er bislang nur von spezialisierten Zentren durchgeführt werden kann. Zum einen ist die Trikuspidalklappe sehr variabel angelegt und individuell konfiguriert. Die Behandelnden müssen daher für jeden Patienten und jede Patientin eine individuelle Therapiestrategie entwickeln. Außerdem ist die begleitende Bildgebung häufig schwieriger. Der dafür eingesetzte Schluckultraschall sitzt in der Speiseröhre und diese ist weiter von der Trikuspidalklappe entfernt als etwa von der Mitralklappe. Die Bilder, mithilfe derer die Klappe angesteuert wird, sind deshalb häufig nicht einfach zu erheben. In die DZHK-Studie werden daher nur Zentren aufgenommen, die bereits mindestens 20 solcher Behandlungen durchgeführt haben. Insgesamt nehmen circa 20 Zentren und insgesamt 360 Personen an der Studie teil. „Bisher liegen uns nur Daten aus Beobachtungsstudien vor“, so Hausleiter. „Aber die sind vielversprechend, viele Patientinnen und Patienten erzählen uns bei der Nachkontrolle, dass es ihnen nach dem Eingriff deutlich besser geht.“ Die geplante Studie soll nun wissenschaftlich belegen, dass die Therapie den Erkrankten wirklich hilft.
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