Pflanzenschutzmittel können Nerven schädigen5. Dezember 2018 Glyphosathaltige Herbizide schädigen das periphere Nervenzystem, wie Forscher in Zellkultur nachgewiesen haben. (Foto: © JuergenL – Fotolia.com) Glyphosat-basierte Pflanzenschutzmittel können das periphere Nervensystem schädigen. Dabei spielen nicht deklarierte Inhaltsstoffe der Herbizide eine wichtige Rolle. Die Debatte über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat wird kontrovers geführt. So diskutieren Glyphosat-Befürworter und -Gegner über mögliche Gesundheitsgefahren, die der Einsatz von Glyphosat unter anderem in Landwirtschaft und Gärten mit sich bringen könnte. Ob Glyphosat Krebserkrankungen oder Entzündungen verursachen kann, ist auch 40 Jahre nach Markteinführung bisher nicht wissenschaftlich geklärt. Bisher wurde der Einfluss von Glyphosat auf das Nervensystem kaum untersucht. Wissenschaftler der Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle Neuroimmunologie unter der Leitung von PD Dr. Dr. Mark Stettner des Universitätsklinikums Essen haben sich daher Frage gestellt, inwieweit reines Glyphosat und frei verkäufliche Glyphosat-Präparate wie das Breitbandherbizid Roundup® schädigende Effekte auf Zellen des peripheren Nervensystems haben könnten. „Diese Glyphosat-basierten Pflanzenschutzmittel enthalten nicht eindeutig deklarierte Hilfsstoffe, die im Verdacht stehen, eine hohe Toxizität aufzuweisen, also giftig für Mensch und Tier zu sein“, sagte Stettner. Die Wissenschaftler testeten verschiedene Konzentrationen reinen Glyphosats und frei verkäuflicher glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel in einem Zellkulturmodell aus Nervenzellen und Schwannzellen, die Nervenfasern mit einer schützenden Isolierschicht ummanteln und für das Überleben der Nervenzellen relevant sind. Wie das Team aus Biologen und Ärzten nun berichtet, zeigten Schwannzellen, die mit dem glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel behandelt wurden, einen spezifischen Abbau des Myelins. Das Glyphosat-haltige Herbizid führte nicht nur zum Abbau der schützenden Nervenhülle, sondern verhinderte auch, dass diese neu gebildet wurde. Reines Glyphosat hingegen zeigte einen weniger schädigenden Einfluss. Die Forscher halten eine „Umprogrammierung“ der Schwannzelle von der Myelin-bildenden Zelle zur entzündlich-aktivierten Schwannzelle, die dann ihre schützende Aufgabe gegenüber den Nervenzellen nicht mehr wahrnehmen kann, für ursächlich. „Unsere Daten weisen darauf hin, dass nicht benannte Inhaltsstoffe in Glyphosat-basierten Pflanzenschutzmitteln dem schädigenden Einfluss auf das Myelin als Ursache haben. Das Glyphosat selbst spielt möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle“, sagte Dr. Fabian Szepanowski, (Biologe in der Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle Neuroimmunologie, Neurologische Klinik, UK Essen), der an der Studie maßgeblich beteiligt war. „Die Ergebnisse der Studie können nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen werden. Es besteht aber die Möglichkeit, dass eine dauerhafte Exposition gegenüber glyphosathaltigen Präparaten wie Roundup periphere Nervenerkrankungen begünstigen kann“, ergänzte Stettner. Er weist darauf hin, dass weitere Studien notwendig sind, um festzustellen, welche Inhaltsstoffe schädlich sind und welche Relevanz die beobachteten Effekte für Mensch, Natur und Umwelt haben. Originalpublikation: Szepanowski F. et al.: Differential impact of pure glyphosate and glyphosate-based herbicide in a model of peripheral nervous system myelination. Acta Neuropathol, 16. November 2018
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