Pflanzenwirkstoff beschleunigt Heilung verletzter Nerven

Mutterkraut (Tanacetum parthenium) Foto: © irottlaender – Fotolia.com

Trotz intensiver Forschung ist es in den vergangenen 30 Jahren nicht gelungen, die Behandlung von Nervenverletzungen wesentlich zu verbessern. Das könnte sich jetzt ändern.

Schäden an Nerven heilen sehr langsam oder gar nicht, oft bleiben dauerhafte Lähmungen zurück. Bisher gibt es kein wirksames Medikament, das die Heilung verbessert oder beschleunigt. Neurobiologen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um den neu auf den Lehrstuhl für Zellphysiologie berufenen Prof. Dietmar Fischer haben jetzt eine mögliche Wirkstoffklasse ausgemacht, die dies ändern könnte: Bei Mäusen und Ratten konnten sie zum ersten Mal zeigen, dass ein Wirkstoff aus dem Mutterkraut (Tanacetum parthenium) nach einer Verletzung des Ischiasnervs die Nervenfunktion deutlich verbessert.

In einem Projekt, das im Oktober 2018 startet, wollen sie untersuchen, ob die Substanz auch bei anderen Verletzungsarten oder Nervenschmerzen wirksam ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit rund 1,25 Millionen Euro für zunächst drei Jahre. Ziel ist es, ein Medikament zu entwickeln.

Im Maus- und Rattenmodell der Forscher konnte der Wirkstoff Parthenolid die Regenerationsrate verletzter Nervenfasern mehr als verdoppeln. Der im Mutterkraut vorkommende Pflanzenwirkstoff verbesserte und halbierte die Dauer der Wiederherstellung von Motorik und Sensibilität des Ischiasnervs nach einer Verletzung.

“Wir wollen nun testen, ob die neue Wirkstoffklasse auch bei anderen Verletzungsarten wirksam ist. Im Anschluss an das Validierungsprojekt ist eine Kooperation mit Pharmaunternehmen oder eine Ausgründung geplant, um ein Arzneimittel für den Menschen zu entwickeln”, sagte Pharmazeut Fischer.