Pilozytisches Astrozytom: Körpergewicht beeinflusst die Heilung5. Oktober 2020 Foto: ©gmstockstudio – stock.adobe.com Eine Studie unter Beteiligung der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems findet Faktoren, die bei einem seltenen Hirntumor im Erwachsenenalter den postoperativen Krankheitsverlauf beeinflussen. Neben anderen Faktoren haben das Alter und der Body-Mass-Index (BMI) einen signifikanten Einfluss auf die weitere klinische Entwicklung von PatientInnen , die am adulten pilozytischen Astrozytom leiden. Dies ist das international veröffentlichte Ergebnis einer der weltweit größten Untersuchungen zu diesem Thema, die von der Medizinischen Universität Wien mit Beteiligung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems) und Partnerinnen und Partnern aus Deutschland durchgeführt wurde. Tatsächlich konnte dabei gezeigt werden, dass bei Erwachsenen das pilozytische Astrozytom nach einer operativen Entfernung fast doppelt so häufig wieder auftrat bzw. weiter voranschritt als bei Kindern. Auch ein BMI über 23 führte häufiger zum Wiederauftreten des Tumors. Das erstmalige Erkennen dieser Zusammenhänge könnte zukünftig helfen, den weiteren Krankheitsverlauf bei erwachsenen PatientInnen besser einzuschätzen und therapeutische Konzepte entsprechend zu optimieren. Das pilozytische Astrozytom (PA) zählt zu den benignen Tumoren und ist der häufigste Hirntumor bei Kindern. Oftmals kann der Tumor operativ gut entfernt werden, und die 10-Jahres-Überlebensrate beträgt bei Kindern über 90 Prozent. Deutlich seltener ist dieser Hirntumor bei Erwachsenen – was dazu führt, dass bislang nur wenige Daten über den Krankheitsverlauf existieren. „Es wurden Daten von insgesamt 46 Patientinnen und Patienten im Alter von 19 bis 74 Jahren ausgewertet, bei denen der Hirntumor operativ entfernt wurde“, erläutert Prof. Stefan Oberndorfer, Leiter der Klinischen Abteilung für Neurologie am Universitätsklinikum St. Pölten der KL Krems. „Dabei konnten ganz klar zwei Faktoren entdeckt werden, die den weiteren klinischen Verlauf nach der Operation beeinflussten: Das waren unter anderem auch das Alter und der Body-Mass-Index.“ Tatsächlich zeigten die Ergebnisse bei Erwachsenen, dass im Vergleich zu Betroffenen im Kindesalter der Tumor in fast doppelt so vielen Fällen (19,6 % vs. 10 %) nach der Operation wieder erschien bzw. weiterwuchs, wobei der Beobachtungszeitraum im Mittel bei 53 Monaten lag. Eine weitere Differenzierung der Ergebnisse ergab, dass insbesondere ab einem Alter von 40 Jahren Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Tumorwachstum anstieg. BMI fällt ins Gewicht Dem von Prof. Anna Sofie Berghoff an der Medizinischen Universität Wien geleiteten Team gelang es in der weitern Folge auch zu belegen, dass der BMI der PatientiInnen großen Einfluss auf den klinischen Verlauf nach der operativen Tumorentfernung hatte. „Im Mittel hatten die Personen zum Zeitpunkt ihrer Diagnose einen BMI von 22,8. Lag der BMI aber höher, so kehrte der Tumor bzw. dessen Wachstum deutlich schneller wieder zurück, und die Betroffenen lebten im Schnitt auch weniger lange“, erklärte Oberndorfer. Über die Zusammenhänge zwischen erhöhtem BMI und den schlechteren klinischen Aussichten ist in diesem Fall wenig bekannt. Vermutet wird aber, dass physiologische Konsequenzen wie ein hoher Blutzuckerwert, Insulinresistenz oder erhöhte Abgabe von Fettsäuren ins Blut bestimmte Wachstumsfaktoren der Tumore beeinflussen könnten. Grundlage der Studie war dabei die Neuro-Datenbank der Medizinischen Universität Wien. In dieser konnten die anonymisierten Daten von 46 PatientiInnen identifiziert werden, die im Zeitraum 2000 bis 2018 eine PA-Diagnose und die entsprechende Behandlung erhielten. Diese Daten wurden von der 1. Medizinischen Abteilung für Onkologie der Medizinische Universität Wien unter Beteiligung des Universitätsklinikums St. Pölten, Abteilung für Neurologie, Kolleginnen und Kollegen der Ruprecht-Karls Universität in Heidelberg sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum ausgewertet und analysiert. Die nun gewonnen Ergebnisse können dazu beitragen, aggressivere Verlaufsformen bei dieser seltenen Erkrankung früher zu identifizieren und die Behandlung dieser Patienten dementsprechend anzupassen und zu verbessern. Originalpublikation: Mair MJ et al. Clinical characteristics and prognostic factors of adult patients with pilocytic astrocytoma. Journal of Neuro-Oncology 2020;148:187–198.
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