Planschen mit Paukenröhrchen und Otorrhö-Risiko: Auf das Wasser kommt es an

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Laut einer aktuellen Studie haben Kinder mit Paukenröhrchen ein erhöhtes Risiko für rezidivierende Otorrhö nach Paukenröhrcheneinlage, wenn sie in natürlichen Gewässern oder in einem Pool mit unbehandeltem Wasser schwimmen oder planschen.

Dagegen konnte das das um Team um Erstautorin Alexandria L. Irace von der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde vom Children’s Hospital of Philadelphia in Philadelphia (USA) für das Schwimmen mit Paukenröhrchen im aufbereiteten Wasser (Behandlung mit Chlor oder Salz) kein erhöhtes Otorrhö-Risiko feststellen. Für die Autoren sprechen ihre Ergebnisse eher für ein individuelle Beratung der Eltern mit Blick auf Maßnahmen zum Schutz, die Schwimmen sicherer machen als für generelle Einschränkungen für Kinder mit Paukenröhrchen. Die Studienergebnisse haben Irace et al. in „Otolaryngology−Head and Neck Surgery“ veröffentlicht.

Otorrhö nach Einlage von Paukenröhrchen: Welchen Einfluss hat das Wasser?

„Die Rolle von Wasserschutzmaßnahmen bei Paukenröhrchen ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Allerdings sind die empirischen Belege für den Einfluss der Wasserart auf das Risiko von Otorrhö begrenzt“, konstatierte Dr. Kavita Dedhia, Assistenzprofessorin der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania. Mit seiner Studie wollte das Autorenteam dem Einfluss der Wasserart – aufbereitetes oder unbehandeltes Wasser – und der Inzidenz von Otorrhö bei Kindern nach dem Einsetzen von Paukenröhrchen nachgehen.

„Wir haben einen Zusammenhang zwischen vermehrtem Auftreten von Otorrhö und dem Kontakt mit unbehandeltem Wasser festgestellt. Obwohl es sich hierbei nicht um eine abschließende Studie handelt, kann sie Ärzten als Orientierungshilfe dienen, um Familien hinsichtlich der Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen zu beraten“, fasst die korrespondierende Autorin die Studienergebnisse zusammen.

Die Studie wertete Daten aus Befragungen und Krankenakten aus. So befragten die Forschenden Eltern von Kindern, denen mindestens sechs Monate zuvor Paukenröhrchen eingesetzt worden waren, zu den Gewohnheiten ihrer Kinder bezüglich Wasserkontakt und zu Episoden von Otorrhö seit der Operation.

Um die Umfrageergebnisse zu bestätigen, werteten die Autoren um Irace die Krankenakten aus. Mittels einer multivariablen logistischen Regression wurden die Zusammenhänge zwischen dem Kontakt mit „verschmutztem“ Wasser (Meerwasser, Seewasser oder unbehandeltes Poolwasser) im Vergleich zu „sauberem“ Wasser (chloriertes oder salzbehandeltes Poolwasser) und dem Risiko einer rezidivierenden Otorrhö nach Paukenröhrcheneinlage untersucht.

Verschmutztes Wasser: Risiko für Otorrhö um Faktor 3,18 höher

Die betreuenden Personen von 137 teilnahmeberechtigten Patienten füllten den Fragebogen aus. Davon berichteten 68 (49,6 %) über rezidivierenden Otorrhö nach Paukenröhrcheneinlage. Nach Berücksichtigung von möglichen Störfaktoren (Alter, Rauchexposition, etc.) hatten Patienten, die verschmutztem Wasser ausgesetzt waren, ein 3,18-fach höheres Risiko für rezidivierenden Otorrhö nach Paukenröhrcheneinlage als Patienten ohne Kontakt zu verschmutztem Wasser (95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,33–7,62, p = 0,009).

Zwischen dem Kontakt mit sauberem Wasser und rezidivierenden Otorrhö nach Paukenröhrcheneinlage konnten die Autoren keinen signifikanten Zusammenhang beobachten. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich beim Vergleich von Patienten mit 0 versus höchstens eine Episode von Otorrhö sowie von Patienten mit weniger als zwei versus mindestens zwei Episoden. Die Studie ergab außerdem, dass jüngere Kinder unabhängig von der Art des Wasserkontakts häufiger unter rezidivierender Otorrhö litten. Das stimmt mit früheren Forschungsergebnissen zu akuter Otitis media im frühen Kindesalter überein.

Die Autoren weisen auf mehrere Einschränkungen hin, darunter die Möglichkeit von Erinnerungsverzerrungen der Befragten und den beobachtenden Charakter der Studie. Dieser schränkt kausale Schlussfolgerungen ein. Sie fordern prospektive Studien und Interventionsstudien, um die biologischen Mechanismen der Otorrhö nach Wasserexposition weiter zu klären und zusätzliche beeinflussbare Risikofaktoren zu identifizieren.

Leitlinien raten zu individuell abgestimmten Maßnahmen statt Planschverbot

Insgesamt decken sich die Ergebnisse von Irace et al. mit der aktualisierten Leitlinie der American Academy of Ophthalmology and Head and Neck Surgery (AAO-HNSF) von 2022 zu Paukenröhrchen bei Kindern. Diese weist darauf hin, dass Ärzte Kindern mit Paukenröhrchen keine routinemäßigen, prophylaktischen Wasserschutzmaßnahmen (Verwendung von Ohrstöpseln oder Stirnbändern, Vermeidung von Schwimmen oder Wassersport) empfehlen sollten. Auch in der deutschen „S2k-Leitlinie Seromukotympanum“, die derzeit überarbeitet wird, wird eine generelle Wasserkarenz bei einliegenden Paukenröhrchen als „nicht zwingend erforderlich“ erachtet. Auch auf eine Empfehlung zum Wasserschutz verzichtet die geltende SK2-Leitlinie.

Laut der amerikanischen Leitlinie sollte anstelle einer routinemäßigen Anwendung individuell über den Einsatz solcher Maßnahmen entschieden werden. Der bevorzugte Ansatz bestehe darin, zunächst uneingeschränkte Wasseraktivitäten zu ermöglichen und Vorsichtsmaßnahmen erst bei auftretenden Problemen einzuführen. Als Ausnahmen nennt die AAO-HNSF-Leitlinie Kinder mit rezidivierender oder persistierender Otorrhö – insbesondere solche mit Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus in Mittelohrkulturen –, Kinder mit Immunschwäche, Kinder mit Ohrenschmerzen beim Schwimmen sowie Kinder, die stark verunreinigtem Wasser ausgesetzt waren oder Tieftauchen betrieben haben. (ja/BIERMANN)