Polypharmazie im Alter: Selbstanwendung für viele eine Herausforderung

Ältere Dame betrachtet ihre Medikamente
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Viele ältere Menschen nehmen mehrere Medikamente täglich ein. Eine aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, dass die selbstständige Anwendung dieser Arzneimittel mit Herausforderungen verbunden ist.

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen haben gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Düsseldorf die Probleme im Zusammenhang mit der Selbstverwaltung von Medikamenten bei älteren Personen untersucht.

Für die Studie wurden 102 Personen ab 70 Jahren befragt, die regelmäßig mindestens fünf verschiedene Medikamente anwenden. Das Durchschnittsalter betrug 77 Jahre. Ausgenommen waren unter anderem Personen mit einer Demenz-Diagnose. Die Teilnehmer wurden zwischen März und November 2024 aus einer Allgemeinarztpraxis in Troisdorf rekrutiert. 

Jeder Zweite nimmt Medikamente nicht korrekt ein

Im Bereich der Arzneimitteladhärenz gaben 20 Prozent der Patienten an, dass ihnen die Medikamente ausgegangen sind. Fünf Prozent gaben an, Medikamente verwechselt zu haben. Insgesamt hielten 53 Prozent der Patienten ihre Medikation nicht vollständig ein, wobei Vergesslichkeit die Hauptursache war.

Besonders häufig traten praktische Probleme bei der Anwendung von Augentropfen auf: Rund 40 Prozent der Befragten nannten diese Darreichungsform als schwierig. Zudem hatten knapp 20 Prozent Schwierigkeiten beim Öffnen von Medikamentenverpackungen.

Die Patienten waren im Allgemeinen gut informiert: 85 Prozent verstanden die Gründe hinter ihren Medikamenten und 75 Prozent waren sich ihrer Vorteile positiv bewusst.

Altersbedingte Veränderungen erschweren Anwendung

Die in „Frontiers of Public Health“ Ergebnisse verdeutlichen, dass Arzneimitteltherapiesicherheit nicht allein von der Verordnung der richtigen Medikamente abhängt. Auch die Fähigkeit, Medikamente korrekt zu handhaben und dauerhaft anzuwenden, spielt eine zentrale Rolle. Da altersbedingte Veränderungen der Sehfähigkeit, Feinmotorik oder Gedächtnisleistung die Medikamentenanwendung erschweren können, gilt die sogenannte Medikamentenmanagement-Kompetenz zunehmend als wichtiger Bestandteil der geriatrischen Versorgung.

„Gleichzeitig zeigte die Studie, dass die meisten Befragten den Nutzen ihrer Medikamente positiv bewerteten und deren Zweck kannten. Die beobachteten Schwierigkeiten scheinen daher weniger auf mangelnde Motivation als auf praktische Hürden im Alltag zurückzuführen zu sein“, so Dr. Janine Gronewold, Diplom-Psychologin an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen.

Die Autoren sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass Probleme bei der Medikamentenanwendung in der hausärztlichen Versorgung häufiger erkannt und gezielt adressiert werden sollten. Künftige Studien sollen untersuchen, welche Unterstützungsmaßnahmen dazu beitragen können, Medikationsfehler zu vermeiden und die Arzneimitteltherapiesicherheit im Alter zu verbessern.