Post-COVID-Syndrom zeigt sich in der DNA21. März 2023 Bild: Connect world/stock.adobe.com Bei Menschen, die unter Post-COVID leiden, zeigen bestimmte Gene veränderte Methylierungsmuster, so das Ergebnis einer schwedischen Studie. Betroffen sind unter anderem mit dem Geruchs- und Geschmackssinn assoziierte Gene. Zahlreiche externe Faktoren beeinflussen, welche Gene zu einem bestimmten Zeitpunkt aktiv sind. Die Fähigkeit Gene an- oder abzuschalten trägt dazu bei, sich an unterschiedliche Bedingungen anzupassen. Einer der daran beteiligten epigenetischen Regulationsmechanismen ist die Methylierung der DNA, da diese beeinflusst, ob Gene einfacher oder schwerer exprimiert werden können. Eine reduzierte Methylierung bedeutet in der Regel gesteigerte Genaktivität, während eine starke Methylierung der DNA eine reduzierte Genaktivität anzeigt. Bereits in früheren Studien konnte das Team um Maria Lerm von der schwedischen Linköping Universität zeigen, dass der Kontakt mit Tuberkolose-Erregern sich in bestimmten epigenetischen Veränderungen der DNA zeigt. Für ihre aktuelle Studie untersuchten die Forschenden Blutproben von zehn Personen, die persistierende COVID-19-Symptome für mehr als zwölf Wochen hatten. Die häufigsten Symptome waren Kurzatmigkeit, Herzrasen, Muskelschwäche und Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Als Vergleichsgruppen dienten gesunde COVID-19-Genesene und Personen, die kein COVID-19 gehabt hatten, als die Proben entnommen wurden. Im Rahmen der Studie analysierte Lerms Team die Mythylierungs-Muster von 850.000 Regionen im Genom und nutze einen Algorithmus, der Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Daten aufspürt. Es zeigte sich, dass sich die drei Gruppen unterschieden und spezifischer Methylierungs-Profile hatten. Die Forschenden konnten eine Reihe von Genen identifizieren, deren Methylierungsmuster sich zwischen den drei Personengruppen unterschieden. „Wir haben herausgefunden, dass beispielsweise Signalwege, die Geruchs- und Geschmackssinn kontrollieren betroffen sind. Das bestätigt, dass epigenetische Unterschiede tatsächlich mit bestimmten Symptomen assoziiert und physiologisch relevant sein könnten“, erklärte Lerm, Professorin für medizinische Mikrobiologie am Department für biomedizinische und klinische Wissenschaften an der Linköping Universität. Eine vorhergehende Studie hatte sich auf kürzlich genesen COVID-19-Patienten konzentriert und konnte ähnliche epigenetische Veränderungen von Signalwegen zeigen, die mit Geruchs- und Geschmackssinn assoziiert sind. Ein weiteres Ergebnis der aktuellen Studie ist der Beleg für epigenetische Veränderungen im Angiotensin-2-System bei Post-COVID-Betroffenen. Das könnte biologisch relevant sein, weils SARS-CoV-2 das Angiotensin-2-System nutzt um Zellen zu infizieren. Als wichtiges Ergebnis der Studie wertete Lerm die Tatsache, dass auch die Mitochondrien bei Personen mit Post-COVID betroffen sind. Andere Studien hätten gezeigt, dass dies auch bei chronischer Fatigue der Fall ist, so Lerm weiter. Aktuell gibt es keinen Labortest mit dem sich Post-COVID diagnostizieren lässt. Die Forschenden hoffen, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen können diagnostische Werkzeuge zu entwickeln, mit denen es vielleicht sogar möglich sein könnte Post-COVID von ähnlichen Erkrankungen zu unterscheiden. (ja)
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