Posttraumatische Belastungsstörung betrifft mehr als einen von zehn Patienten mit Defi

Foto: ©C Davids/peopleimages.com – stock.adobe.com

Fast ein Drittel der Patienten mit implantierbarem Kardioverter-Defibrillator (ICD) leidet im ersten Jahr nach Implantation unter Angstzuständen, während jeder Fünfte von Depressionen betroffen ist. Dies geht aus einer Studie in „EP Europace“ hervor.

„ICDs verlängern das Leben der Patienten wirksam, aber wir müssen sicherstellen, dass die Lebensqualität stimmt“, sagt Studienautorin Prof. Hannah Keage von der University of South Australia in Adelaide, Australien. „Die Raten von Stimmungsstörungen bei Menschen mit einem ICD sind viel höher als in der Allgemeinbevölkerung, was darauf hindeutet, dass eine psychologische Beurteilung und Therapie in die Routineversorgung dieser Patienten integriert werden sollte.“

Die Professorin für Psychologie arbeitet seit vielen Jahren mit Kardiologen zusammen. Diese hätten festgestellt, so Keage, dass bei ihren ICD-Patienten häufig Stimmungsstörungen auftraten. Um herauszufinden, wie weit verbreitet dieses Phänomen tatsächlich ist, habe man sich daher zusammengetan. Denn: Angstzustände und Depressionen werden bei Patienten mit einem ICD mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes in Verbindung gebracht.

In der aktuellen Studie stellten Keage und Kollegen die besten verfügbaren Daten zur Bestimmung des Ausmaßes von Depressionen, Angstzuständen und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) bei Patienten mit einem ICD zusammen. Die Analyse umfasste 109 Studien mit 39.954 ICD-Patienten im mittleren Alter von 64 Jahren, wobei 91 Prozent Männer waren. Bei der Untersuchung der Prävalenz von Angstzuständen, Depressionen und PTBS vom Zeitpunkt des Einsetzens des ICD bis zu einer Nachbeobachtungszeit von mehr als einem Jahr lagen die Raten bei 23, 15 bzw. zwölf Prozent. Die Raten dieser Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung werden auf 13, sieben bzw. ein bis zwei Prozent geschätzt.

Für Angstzustände und Depressionen, die in den ersten Phasen nach der Implantation höhere Raten aufwiesen, konnten die Studienautoren den Daten weitere Details entnehmen. So litten in den ersten fünf Monaten 32 Prozent an Angstzuständen und 23 Prozent an Depressionen. Sechs bis zwölf Monate nach der Implantation war der Anteil auf 29 bzw. 21 Prozent gesunken. Ein weiterer Rückgang wurde zwölf Monate nach der Implantation beobachtet, als die Raten bei 22 bzw. 15 Prozent lagen.

Die Analyse ergab zudem, dass Patienten, die einen ICD-Schock erhalten hatten, viermal häufiger an Angstzuständen und fast doppelt so häufig an Depressionen litten als Patienten, bei denen nie ein Schock ausgelöst worden war. Bei einer Analyse nach Geschlecht zeigte sich, dass Frauen nach der Implantation eines ICD häufiger unter Angstzuständen litten als Männer.

Keage erläutert diese Ergebnisse: „Die Raten aller drei Stimmungsstörungen waren im Vergleich zu dem, was wir bei Menschen ohne ICD erwarten würden, auffallend hoch, insbesondere bei PTBS. Etwa 30 Prozent der ICD-Patienten erleiden in den ersten zwei Jahren einen Schock, und für einige Patienten ist dies eine ständige Angst, die Entscheidungen über das Autofahren, Schwimmen usw. beeinflusst. Der Rückgang der Stimmungsstörungen im Laufe der Zeit könnte auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen sein, z. B. darauf, dass die Patienten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen oder sich an ihr neues Leben gewöhnen. Es ist nicht auszuschließen, dass gesündere Menschen dazu neigen, länger an Studien teilzunehmen, während kranke Menschen eher dazu neigen, diese abzubrechen. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede waren zu erwarten, da Frauen im Allgemeinen häufiger unter Angstzuständen leiden als Männer.“

Die Analyse untersuchte auch Stimmungsstörungen bei den Partnern der ICD-Patienten anhand von drei Studien mit insgesamt 225 Teilnehmenden. Demnach litten schätzungsweise 23 Prozent der Partner von ICD-Patienten nach der Implantation unter Angstzuständen und 14 Prozent unter Depressionen – was den Raten bei den Patienten selbst entsprach. Die Autoren weisen jedoch daraufhin, dass diese Schätzungen breite Konfidenzintervalle aufweisen und eine große Heterogenität in den betreffenden Untersuchungen festgestellt wurde. 

„Die Partner sind natürlich besorgt darüber, dass sich ihr geliebter Mensch einer Operation unterziehen und dann möglicherweise einen Schock erleiden könnte. Die Einbeziehung der Partner von ICD-Patienten in psychologische Therapien ist wirksamer bei der Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit der Patienten als eine alleinige Behandlung. Die Ergebnisse bei Herzpatienten sind sehr einleuchtend, da Herzgesundheit und Stimmungsstörungen Hand in Hand gehen. Psychische Erkrankungen können durch chronischen Stress und ungesunde Lebensweise ebenfalls zu Herzproblemen führen. Psychologen waren bisher kaum an der Betreuung von Herzpatienten beteiligt, doch das muss sich ändern“, betont Keage. Da es evidenzbasierte Therapien für Angstzustände, Depressionen und PTBS gibt, ermutigt sie Patienten und deren Partner, sich bei übermäßig schlechter Stimmung oder Sorgen Hilfe zu suchen. (ah)