PPI führen bei Kindern immer häufiger zu unerwünschten Ereignissen26. November 2019 Foto: © hedigorko/Adobe Stock Immer häufiger werden Protonenpumpenhemmer (PPI) bei Kindern eingesetzt, und immer häufiger kommt es dabei auch zu Nebenwirkungen – Anlass zur Sorge, wie die Autoren einer gerade in „Pediatrics“ veröffentlichten Studie finden. „PPI werden häufig bei Kindern zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt, und wir sehen eine Zunahme der mit ihrer Anwendung verbundenen unerwünschten Infektionsereignisse“, erklärt Dr. Sara Van Driest vom Monroe Carell Jr. Kinderkrankenhaus am Vanderbilt University Medical Center in Nashville zum Hintergrund der Studie. „Da diese Medikamente für Erwachsene rezeptfrei erhältlich sind, gelten sie als sichere Option für Kinder. Diese Arzneimittel gelten als sehr risikoarm und weisen nur wenige Nachteile auf. Wir haben jedoch festgestellt, dass PPI tatsächlich nicht ohne Risiko sind“, betont sie. Laut Van Driest gibt es ein spezifisches Enzym im Körper – CYP2C19 – das beim Abbau dieser Medikamente hilft. Das Enzym wirkt bei jeder Person anders – langsam, normal, schnell und manchmal überhaupt nicht – und beeinträchtigt die Fähigkeit des Medikaments, sicher verstoffwechselt zu werden. Da CYP2C19 PPI inaktiviert, können genetische Varianten, die die Funktion des Enzyms beeinträchtigen, den Arzneimittelspiegel im Körper erhöhen, was zu weiteren Infektionsereignissen führt. Denn: Magensäure schützt den Körper auf natürliche Weise vor gefährlichen Organismen, die sich in Wasser und Nahrungsmitteln befinden. Die Reduzierung der Magensäure kann das Risiko eines Kindes für diese Art von Infektionen erhöhen. Für ihre aktuelle Arbeit untersuchten Van Driest und Kollegen die DNA von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahre zum Zeitpunkt einer PPI-Exposition. Es handelte sich sowohl um gesunde als auch um chronisch kranke Kinder mit unterschiedlich starker Enzymfunktion. Insgesamt wurden 670 Patienten bzw. Proben derselben in die Untersuchung eingeschlossen. Dabei handelte es sich um DNA aus verworfenem Blut, das während routinemäßiger klinischer Tests am Vanderbilt University Medical Center extrahiert und gelagert wurde. „Die Tatsache, dass Kinder, die als normale CYP2C19-Metabolisierer charakterisiert wurden, tatsächlich mehr Infektionsereignisse aufwiesen als solche, die rasch verstoffwechselten, zeigt, dass die Exposition gegenüber diesen Wirkstoffspiegeln das Risiko für ein zusätzliches Infektionsereignis für das Kind erhöht“, erklärt Van Driest.“Wir konnten aufzeigen, dass diese Medikamente Nebenwirkungen haben, und als Ärzte müssen wir sehr sorgfältig über die Vorteile und Risiken nachdenken. Wir können einen Gentest in Betracht ziehen, um festzustellen, ob ein Patient ein langsamer, normaler oder schneller Metabolisierer ist.“ Gentests können hilfreich sein, um festzustellen, ob ein Patient eine niedrigere oder höhere Dosis des Arzneimittels benötigt. Am Vanderbilt University Medical Center steht der PREDICT-Gentest (Pharmacogenomic Resource for Enhanced Decisions in Care and Treatment) zur Verfügung, um das Ansprechen der Patienten auf Medikamente vorherzusagen. Einige Menschen metabolisieren Medikamente abnormal, bis sie von einem bestimmten Medikament keinen Nutzen mehr haben oder ihr Ansprechen auf eine normale Dosis gefährlich ist. Diese unterschiedlichen Arzneimittelreaktionen sind zunehmend mit unterschiedlichen häufigen Genvarianten verbunden. Die Studienergebnisse untermauern die Evidenz dafür, dass der Einfluss von CYP2C19 auf PPI bei der Verschreibung besondere Berücksichtigung verdient. „Wir hoffen, dass Kinderärzte erst einmal überlegen, bevor sie PPI einsetzen – wissend, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, solange ihre Patienten dieses Medikament einnehmen“, betont Van Driest. „Wenn eine solche Therapie begonnen werden muss, können sie Gentests in Betracht ziehen, um den CYP2C19-Status des Patienten zu ermitteln.“
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