Pränatale Depressionen erhöhen das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen9. Oktober 2026 Symbolbild (Foto: © kjekol – stock.adobe.com) Kinder, deren Mütter vor der Geburt unter Depressionen leiden, zeigen häufiger bestimmte neurologische Entwicklungsstörungen – unabhängig davon, ob sie im Mutterleib Antidepressiva ausgesetzt waren. Dies geht aus einer Studie hervor, die in „PLOS Medicine“ veröffentlicht wurde. Der Einsatz von Antidepressiva während der Schwangerschaft nimmt zu, doch derzeit sind die langfristigen Auswirkungen dieser Medikamente auf die kindliche Entwicklung unklar. Doch auch eine unbehandelte perinatale Depression birgt Risiken, was es für die betroffenen Frauen und ihre Ärzte sehr schwierig macht, eine fundierte Entscheidung darüber zu treffen, ob sie während der Schwangerschaft Medikamente einnehmen sollen. Um in dieser Frage mehr Klarheit zu gewinnen, begleiteten Forschende unter der Leitung von Saraid McIlvride von der Universität Glasgow, Großbritannien, mehr als 167.000 Kinder, die zwischen 2009 und 2016 in Wales geboren wurden, bis zum Jahr 2022. Anhand von medizinischen und schulischen Unterlagen suchten sie nach möglichen Zusammenhängen zwischen Depressionsdiagnosen oder der Einnahme von Antidepressiva bei den Müttern und sonderpädagogischem Förderbedarf bei ihren Kindern. Dazu zählten Diagnosen einer Autismus-Spektrum- oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung sowie Lern-, Verhaltens-, emotionalen oder sozialen Schwierigkeiten. Dabei stellten die Forschenden fest, dass Kinder von Frauen, die mit Antidepressiva behandelt wurden, höhere Raten bestimmter neurologischer Entwicklungsstörungen aufwiesen als Kinder von Frauen mit perinatalen Depressionen, die unbehandelt blieben. Allerdings könnten die Ergebnisse dadurch beeinflusst sein, dass Frauen mit schwereren Depressionen mit größerer Wahrscheinlichkeit Antidepressiva verschrieben bekamen, erklärten die Forschenden. Risiken müssen gegeneinander abgewogen werden Beim Vergleich zwischen behandelter Depression, unbehandelter Depression und der Einnahme von Antidepressiva ohne Depression zeigten die Analysen, dass die Einnahme von Antidepressiva mit 6,3 zusätzlichen Fällen pro 100 Kinder bei denjenigen, die keiner Depression ausgesetzt waren, und mit 2,9 zusätzlichen Fällen pro 100 Kinder bei denjenigen, die einer Depression ausgesetzt waren, verbunden war. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Kinder von Müttern mit Depressionen ein höheres Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen aufweisen, unabhängig davon, ob sie Antidepressiva ausgesetzt waren. Die Einnahme von Medikamenten könnte jedoch ein zusätzliches Risiko mit sich bringen. Die Autoren weisen darauf hin, dass jedes potenzielle Risiko einer Behandlung gegen die Risiken einer unbehandelten Depression bei Müttern abgewogen werden sollte, da diese mit einem höheren Risiko für eine postnatale Depression verbunden ist. Die Autoren fügen hinzu: „Wir konnten zeigen, dass Kinder von Frauen mit Depressionen, die während der Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, mit höherer Wahrscheinlichkeit sonderpädagogischen Förderbedarf hatten. Es handelte sich jedoch nur um einen sehr geringen Anstieg, der möglicherweise eher auf eine schwerere Depression der Mütter zurückzuführen war als auf eine Wirkung des Medikaments.“ Tatsächlich wiesen unter den Kindern von Müttern mit Depressionen 24 Prozent sonderpädagogischen Förderbedarf auf, wenn die Mutter nicht behandelt wurde. Bei Einnahme von Antidepressiva stieg dieser Anteil auf 27 Prozent. Bei jenen Kindern, die im Mutterleib weder einer Depression noch Antidepressiva ausgesetzt waren, lag der Prozentsatz der Kinder mit Förderbedarf bei 20 Prozent. (ej/BIERMANN) Weitere Beiträge zum Thema perinatale Depression: Perinatale Depression mit erhöhter Säuglingssterblichkeit verbunden
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