Prävalenz der glutensensitiven Enteropathie29. April 2019 © M.Dörr & M.Frommherz – fotolia.com Einer Studie Leipziger Wissenschaftlern zufolge scheint die Zöliakie in der Bevölkerung häufiger aufzutreten als bislang angenommen.Zur Beurteilung der Seroprävalenz und der Prävalenz einer klinisch definierten Zöliakie (CD) in der deutschen LIFE-Child-Health-Studienkohorte hatten Forscher der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in 2363 Blutproben von Kindern Immunglobulin A (IgA)-Antikörper gegen Gewebetransglutaminase (IgA-TTG) sowie IgG-Antikörper gegen deamidierte Gliadin-Peptide (IgG-DGP) bestimmt und eine Genotypisierung auf Humanes Leukozytenantigen (HLA)-DQ2/8 vorgenommen. Dazu wurden die Proben zunächst auf IgA-TTG und IgG-DGP untersucht. Wenn IgA-TTG über dem 0,5-Fachen der Obergrenze von normal und/oder IgG-DGP positiv waren, wurden IgA-Antikörper gegen Endomysium (IgA-EmA) gemessen und HLA genotypisiert. Bei ausschließlich IgG-DGP-positiven Patienten wurde das gesamte IgA bestimmt. Probanden mit verdächtigen Ergebnissen wurden serologisch beobachtet und bei wiederholt positiven Antikörperergebnissen zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Unabhängig davon wurden weitere diagnostische Daten erhoben. Die Proben stammten aus den Jahren 2011–2015. Die Seroprävalenz, d.h. IgA-TTG- und/oder IgA-EmA-Positivität oder IgG-DGP-Positivität mit IgA-Titern <0,05 g/l, betrug 1,57% (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,14–2,15). Die Prävalenz einer vermuteten Zöliakie, d.h. Seroprävalenz und kompatibler HLA-Genotyp mit bisher unbekannten Schleimhautschäden, betrug 1,35% (95%-KI 0,96–1,91). Eine klinisch definierte Zöliakie, d.h. Seropositivität mit positiver Darmbiopsie oder IgA-TTG ≥10 × Obergrenze der Normalität, wurde in 0,42% (95%-KI 0,22–0,80) gefunden. Sieben Kinder behaupteten, eine Zöliakie zu haben. Der HLA-Haplotyp entsprach dem jedoch nur bei 4 von ihnen, was zu einer gesamten Zöliakie-Prävalenz von mindestens 0,59% (95%-KI 0,34–1,02) führte. Dreizehn unklare Fälle blieben bestehen; daher könnte die Prävalenz sogar noch höher sein, geben die Forscher zu bedenken. Fazit Die Autoren um Norman Händel schlussfolgern, dass die Prävalenz einer definierten Zöliakie in einer bevölkerungsrepräsentativen deutschen Kohorte höher zu sein scheint als zuvor beschrieben. Eine HLA-DQ-Typisierung sei hilfreich, um falsch-positive IgA-TTG-Patienten, die für IgA-EmA und/oder IgG-DGP negativ sind, unter Screeningbedingungen zu identifizieren und mögliche Fehldiagnosen der Zöliakie zu entlarven. (ej) Autoren: Händel N et al. Korrespondenz: Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin Leipzig; [email protected] Studie: Will the real coeliac disease please stand up? Coeliac disease prevalence in the German LIFE Child Study Quelle: J Pediatr Gastroenterol Nutr 2018;67(4):494–500. Web: https://doi.org/10.1097/MPG.0000000000002052
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