Prävention postoperativer VTE: Inhibitoren des Gerinnungsfaktors XI auf dem Prüfstand19. Februar 2026 Bild: ©Corona Borealis – stock.adobe.com In den beiden randomisierten, unverblindeten Phase-II-Studien ROXI-VTE-I und ROXI-VTE-II wurden Inhibitoren des Gerinnungsfaktors XI (FXI) zur Prävention venöser Thromboembolien (VTE) getestet. FXI-Inhibitoren könnten die Thrombosehäufigkeit reduzieren, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen, berichten die Studienautoren um Prof. Jeffrey I. Weitz vom Thrombosis and Atherosclerosis Research Institute in Hamilton zum Hintergrund. FXI wird durch Faktor XIIa (FXIIa) oder Thrombin aktiviert. Der Antikörper REGN7508Cat bindet an die katalytische Domäne von FXI und blockiert sowohl dessen Aktivität als auch die Aktivierung durch FXIIa und Thrombin. Hingegen bindet REGN9933A2 an die FXI-Apple-2-Domäne und blockiert die FXI-Aktivierung durch FXIIa. In ROXI-VTE-I und ROXI-VTE-II wurden Patienten (≥50 Jahre) eingeschlossen, die sich einer Knie-Arthroplastik unterzogen. Die Studien wurden in 15 Zentren in 7 Ländern bzw. in 12 Zentren in 5 Ländern durchgeführt. In ROXI-VTE-I wurden die Teilnehmer 1:1:1 randomisiert und erhielten nach der Operation entweder REGN9933A2 (300 mg intravenös als Einmalgabe), Enoxaparin (40 mg subkutan einmal täglich) oder Apixaban (2,5 mg oral 2-mal täglich; exploratives Vergleichspräparat). In ROXI-VTE-II wurden die Patienten 2:1 randomisiert und erhielten nach der Operation entweder REGN7508Cat (250 mg intravenös als Einmalgabe) oder Enoxaparin (40 mg subkutan 1-mal täglich). Die Behandlung mit Enoxaparin und Apixaban wurde bis zum Tag der Phlebographie oder bis zum zwölften Tag fortgesetzt, je nachdem, welcher Zeitpunkt früher eintrat. Die Rekrutierung für ROXI-VTE-I (n=373) erfolgte vom 24.05.2023–27.05.2024, für ROXI-VTE-II (n=179) vom 27.06.2024-21.01.2025. Die mediane Nachbeobachtung geben die Autoren für beide Studien mit 74 Tagen an (IQR 72–76). In der ROXI-VTE-I-Studie traten VTE bis Tag 12 bei 20/116 Patienten in der REGN9933A2-Gruppe (17 %), bei 26/117 in der Enoxaparin-Gruppe (22 %) und bei 14/113 in der Apixaban-Gruppe (12 %) auf. Für REGN9933A2 vs. Enoxaparin betrug die mittlere adjustierte OR (aOR) 0,78 (90 %-Kredibilitätsintervall 0,47–1,32), die A-posteriori-Wahrscheinlichkeit lag bei 78,5 %. In der ROXI-VTE-II-Studie traten VTE bis Tag 12 bei 8/113 Patienten in der REGN7508Cat-Gruppe (7 %) und bei 10/58 in der Enoxaparin-Gruppe (17 %) auf. Die mittlere aOR für REGN7508Cat im Vergleich zu den kombinierten Enoxaparin-Gruppen betrug 0,37 (0,20–0,68), die A-posteriori-Wahrscheinlichkeit 99,8 %. In keiner der Gruppen traten schwere oder klinisch relevante leichte Blutungen auf. Als häufigstes unter der Therapie auftretendes nachteiliges Ereignis nennen die Autoren eine postoperative Anämie (9/123 Patienten in der REGN9933A2-Gruppe [7 %], 11/125 in der Enoxaparin-Gruppe [9 %] und 16/125 in der Apixaban-Gruppe [13 %] in der ROXI-VTE-I-Studie sowie 6/120 in der REGN7508Cat-Gruppe [5 %] in der ROXI-VTE-II-Studie). Schwere nachteilige Ereignisse traten bei 4 (3 %), einem (1 %) bzw. 2 (2 %) Patienten auf, die in der ROXI-VTE-I-Studie REGN9933A2 respektive Enoxaparin bzw. Apixaban erhielten. In der ROXI-VTE-II-Studie traten sie bei 2 Patienten unter REGN7508Cat (2 %) und bei keinem Patienten unter Enoxaparin auf. „REGN7508Cat war Enoxaparin in der VTE-Prävention überlegen, REGN9933A2 hingegen nicht“, bilanziert das Autorenteam. Die Ergebnisse mit REGN7508Cat bestätigten die Rolle von Faktor XI bei postoperativen VTE, und die Ergebnisse mit REGN9933A2 legten nahe, dass die FXIIa-vermittelte Aktivierung von Faktor XI zu diesem Prozess beiträgt. (sf)
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