Präzisionsonkologie: Richtungsweisend bei Gallenwegskarzinom

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Genveränderungen bei Gallenwegskarzinomen bieten potenzielle Angriffspunkte für aktuelle oder zukünftige Präzisionstherapien. Das zeigt eine Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien (Österreich).

In dieser Studie wurden Zellen von Gallengangstumoren auf genetische Veränderungen untersucht. Die Ergebnisse demonstrieren das Potenzial des genetischen Profilings von Tumoren als Grundlage für vielversprechende und zielgerichtete Therapien.

Fortgeschrittene Krebserkrankungen des Gallengangs (BTC) sind fast immer fatal. Bei einer derzeitigen Fünf-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von zwei Prozent wird nach neuen, effizienten Behandlungsmethoden gesucht. Eine Herausforderung dabei ist die hohe genetische Variabilität und Heterogenität der Tumorzellen. Damit diese Variabilität für gezielte Therapien besser genutzt werden kann, wurde sie nun systematisch untersucht. Als Basis dienten dem Team der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL Krems) und der Medizinischen Universität Wien Daten von 92 Betroffenen in drei Zentren in Österreich.

Zielkoordinaten

„Heutige Sequenzierungsmethoden erlauben es, genetische Abweichungen in Tumorzellen sehr genau zu lokalisieren“, erklärt Dr. Hossein Taghizadeh von der Klinische Abteilung für Innere Medizin 1 des Universitätsklinikum St. Pölten, einer der Lehr- und Forschungsstandorte der KL Krems, und Erstautor der Studie. „Diese Abweichungen sind so etwas wie Zielkoordinaten für moderne, sehr effiziente und präzise Krebstherapien. Basierend auf Daten Betroffener in Österreich wollten wir mit unserer Studie eine systematische genetische „Landkarte“ dieser Zielkoordinaten für Gallengangskrebs schaffen. Gleichzeitig war unser Ziel zu zeigen, dass die Methodik leicht in den Klinikalltag integriert werden kann und eine frühe Tumor-Sequenzierung beim fortgeschrittenen Gallenwegskarzinom angestrebt werden sollte.“

Die Analyse im Rahmen der international publizierten Studie lieferte dann umfangreiche Ergebnisse. Tatsächlich wurden bei 61 Betroffenen insgesamt 205 molekulargenetische Abweichungen festgestellt. Nur bei 15 Betroffenen beobachtete man gar keine Abweichungen, und bei weiteren 16 reichte das Probenmaterial für eine Analyse nicht aus.

Die 205 Abweichungen inkludierten insgesamt 198 Mutationen, die in 89 verschiedenen Genen auftraten. Weitere Abweichungen waren unter anderem auf die Fusionen von Genen zurückzuführen. Am häufigsten traten Mutationen des KRAS- und des TP53-Gens auf (jeweils 22,4%). Beide sind „gute Bekannte“ in der Onkologie, da ihre Mutationen an der Entstehung einer ganzen Reihe verschiedener Krebsarten beteiligt sind.

Präzisionsergebnis

Zur Beurteilung, inwieweit die gefundenen Mutationen sich als Zielkoordinaten für eine bereits existierende Präzisionstherapie eignen würden, zog das Team um Taghizadeh die ESCAT-Klassifikation heran. Diese stuft Mutationen von Krebszellen nach ihrer Eignung als Ziel einer Präzisionstherapie ein. „Unser Ergebnis zeigte, dass ein Viertel aller Betroffenen mit nachgewiesenen genetischen Abweichungen von Präzisionstherapien profitieren könnte.“ Damit zeigt die Studie eindeutig, dass Gallengangskrebs zahlreiche mögliche Ansatzpunkte für wirkungsvolle Präzisionstherapien bietet.

„Auf Grundlage unserer Ergebnisse“, erklärt Taghizadeh, „sehen wir gute Argumente für das frühzeitige Erstellen eines molekulargenetischen Profils von Gallengangstumoren als Teil des Standardprotokolls – am besten vor Beginn einer systemischen Therapie. So könnten mögliche Zielkoordinaten für Präzisionstherapien frühzeitig gefunden und die Behandlung darauf eingestellt werden. Zumal unsere Arbeit auch die Durchführbarkeit der notwendigen Analysen im Klinikalltag belegt.“