„Praxen stemmen die medizinische Versorgung in Deutschland, aber Kliniken erhalten Milliardenhilfen“28. Dezember 2023 Zi-Vorstandsvorsitzender Dominik von Stillfried. Foto: Lopata/Axentis/Zi Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts belegen nach Ansicht des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die Vernachlässigung des ambulanten Sektors durch die Politik gegenüber den Kliniken. Demnach sind die Fallzahlen in den Krankenhäusern mit Beginn der COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020 um mehr als 13 Prozent eingebrochen sind und bis Ende 2022 auf diesem Niveau verharrten. In den 70.000 Haus- und Facharztpraxen in Deutschland war der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen hingegen mit nur gut drei Prozent deutlich geringer. Während die 97.000 Praxisinhaberinnen und -inhaber 2019 fast 570 Millionen Behandlungsfälle verzeichneten, waren es in den Kliniken knapp 20 Millionen. Mit dem Beginn der Pandemie folgte dann der Fallzahleinbruch im stationären Bereich: 2020 waren es nur noch knapp 17,3 und 2021 sogar nur noch 17,2 Millionen Fälle. Auch mit dem Abflauen der Pandemiefolgen im Jahr 2022 stagnierten die stationären Fallzahlen bei 17,2 Millionen. Ganz anders das Bild im ambulanten Versorgungsbereich: Hier sanken die Werte 2020 mit über 548 Millionen (Rückgang um 3,4 Prozent) nur marginal. Schon 2021 erreichten sie mit 565 Millionen (- 0,8 Prozent gegenüber 2019) fast wieder das vorpandemische Niveau. Die steigende Inanspruchnahme hält an: 2022 wurde mit fast 578 Millionen vertragsärztlichen Behandlungsfällen sogar mehr geleistet als vor der Pandemie. GKV-Ausgaben steigen unproportional im Vergleich von Kliniken und Praxen „Trotz des gesunkenen Fallzahlniveaus steigen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung für die stationäre Versorgung unvermindert stark an. So hat der stationäre Bereich 2022 im Vergleich zu 2019 sage und schreibe 9,7 Prozent Mehrkosten verursacht. Dieser Trend setzte sich in den ersten drei Quartalen 2023 fort: Hier stiegen die entsprechenden Ausgaben um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Die Ausgaben der Krankenkassen gingen also trotz deutlich gesunkener Fallzahlen nicht zurück. Zusätzlich erhielten die Kliniken während der Pandemie vom Bund Corona-Finanzhilfen in Höhe von 21,5 Milliarden Euro und für die Jahre 2023 und 2024 insgesamt weitere 6,4 Milliarden als Energie-Hilfen sowie für die Stärkung der Geburtshilfe und Pädiatrie“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.Blickt man auf den ambulanten Versorgungsbereich, sehe das Bild gänzlich anders aus, so der Zi-Chef: „Hier stiegen die Ausgaben zwischen 2019 und 2022 nur um 7,9 Prozent. In den ersten drei Quartalen 2023 lag der Ausgabenanstieg für die ambulante Versorgung sogar nur noch bei homöopathischen 1,1 Prozent. Diese Veränderungen liegen im gesamten Zeitraum weit unterhalb der Inflationsrate. Da für die Praxen keine Bundeshilfen greifen, wird also real an der ambulanten Versorgung der 74 Millionen gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten gespart. Das geht an die Substanz der Praxen in Deutschland.“ Stärkere Beanspruchung, schrumpfende Finanzierung Das Missverhältnis zwischen immer stärker steigender Beanspruchung und real schrumpfender Finanzierung lasse immer mehr Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber frustriert zurück. Das habe das Zi erst gerade in einer breit angelegten Umfrage in der Ärzteschaft belastbar zeigen können. „Nach unseren Berechnungen klafft in der ambulanten ärztlichen Versorgung eine Finanzierungslücke von mindestens 1,8 Milliarden Euro. Das spürt jede einzelne Praxis, hier und jetzt! Dies wird verschärft durch Personalmangel, unvermindert steigende Bürokratielast, willkürliche Regressandrohungen sowie durch dysfunktionale Praxissoftware und Telematikinfrastruktur. Noch lassen die 100.000 Praxen in Deutschland ihre Patientinnen und Patienten nicht im Stich. Noch wird der Frust durch die hohe Eigenmotivation der Praxisteams ausgeglichen“, so von Stillfried weiter.„Für die Zukunft ist das Zusammenspiel aus abnehmender Finanzierung und zunehmender Belastung aber ein fatales Signal. Was bei fehlenden Fiebersäften gilt, trifft auch auf die ärztliche Versorgung in den Praxen zu. Will die Politik dem steigenden ambulanten Versorgungsbedarf der Versicherten gerecht werden, müssen sich die Verantwortlichen jetzt zügig auf eine substanzielle Förderung der Praxisstrukturen besinnen. Sonst fehlen diese Praxisstrukturen bald spürbar – mit kaum umkehrbaren Negativfolgen für die medizinische Versorgung der Menschen in unserem Land.“ (Zi/ms)
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