Praxisärzte sehen sich seit Jahren von der Kostenentwicklung abgehängt22. August 2018 Nicht zufrieden mit dem Honorarabschluss: Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Foto: Lopata/Axentis „Praxisärzte bleiben trotz des Honorarabschlusses von gestern bei der Kostenentwicklung weiterhin abgekoppelt und sie bleiben auf den zentralen Problemen sitzen: fehlenden Mitteln für qualifiziertes Personal und für Investitionen in den Praxen“, so kommentierte am 22. August der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Dirk Heinrich, das aktuelle Verhandlungsergebnis von Krankenkassen und KBV. Der Orientierungswert steigt zwar um rund 1,58 Prozent, liegt damit aber unter der Preissteigerungsrate von derzeit zwei Prozent. Damit ließen sich, so rechnet der NAV-Virchow-Bund vor, nicht einmal die Gehaltssteigerungen der Medizinischen Fachangestellten auffangen, die in den letzten Jahren 2,6 Prozent (2017) und 2,2 Prozent (2018) betrugen, zumal der Vorjahresabschluss mit rund einem Prozent deutlich niedriger sei. Die Entwicklung der Personalkosten und erforderliche Investitionen schlügen sich aber in den Verhandlungsergebnissen zum Orientierungspunktwert schon lange nicht mehr nieder, kritisiert der Verband. Vor einigen Tagen bereits habe das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) anhand aktueller Zahlen dokumentiert, dass niedergelassene Ärzte von der Preisentwicklung abgehängt seien: Zwischen 2010 und 2017 ist demnach der Lohnindex um knapp 19 Prozent gestiegen, die Gehälter von Klinik-Oberärzten um 15 Prozent, ähnlich wie der Krankenhaus-Bundesbasisfallwert. Nur der Orientierungswert wurde im selben Zeitraum um lediglich sechs Prozent angehoben. Fachkräftemangel in den Praxen verschärft sich Die direkten Folgen der letzten Honorarrunden seien bereits spürbar. „Der Fachkräftemangel schlägt sich heute schon voll auf die Praxen nieder. Unsere Mitglieder berichten reihenweise davon, dass sie offene Stellen für Medizinische Fachangestellte nicht besetzen können, weil sich keine Bewerber mehr finden. Wir konkurrieren dabei um dieselben Menschen wie in der Alten- und Krankenpflege“, berichtet Heinrich. Dort werde das Problem aber erkannt, die Pflege werde fachlich und finanziell aufgewertet und die Tarifsteigerungen in den Krankenhäusern demnächst von den Krankenkassen vollständig übernommen. „Die Krankenkassen kommen mit diesem Honorarabschluss nur knapp den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen in punkto Kosten, Morbidität und Menge nach. Die bestehenden Probleme, beispielsweise bei der Unterbezahlung von Hausbesuchen, müssen dringend gelöst und die wohnortnahe Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte muss gestärkt werden. Die Krankenkassen haben sich mittlerweile leider aus der Versorgungsverantwortung verabschiedet“, beklagt Heinrich. Zum Hintergrund Die rund 147.000 Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland arbeiten angestellt oder selbständig in rund 102.000 Praxen und beschäftigen dabei 650.000 Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter. In der vertragsärztlichen Versorgung kommt es zu über 550 Millionen Behandlungsfällen im Jahr. (NAV-Virchow-Bund/ms)
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