Premiere: Implantation eines innovativen kabellosen Schrittmachersystems an der Charité

Gerhard Hindricks, Leiter der DHZC-Rhythmologie, mit einem Modell des neuen Schrittmachers. Foto: ©Maier/DHZC

Erstmals in Europa wurde am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) jetzt ein völlig neuartiger Herzschrittmacher eingesetzt. Die Implantation nahm ein Team um Prof. Gerhard Hindricks, Leiter des Bereichs Rhythmologie, vor.

Herkömmliche Herzschrittmachersysteme sind durch die Verwendung von Sonden, die zum Herzen vorgeschoben werden und dort ihre Impulse abgeben mit Risiken behaftet: Zum einen kann es zum Bruch oder Isolationsdefekt der Sonden kommen, die den Schrittmacher funktionsunfähig machen. Zum anderen kann eine Besiedelung der Elektroden mit Keimen schwerwiegende Infektionen verursachen. Die dann notwendige Entnahme der Elektroden ist oft schwierig und nicht immer komplikationslos, da die Sonden häufig mit der Venenwand und dem Herzen verwachsen sind.  

Um diese Risiken zu mindern, sind seit etwa zehn Jahren kapselförmige Schrittmacher im Einsatz, die direkt in die rechte Herzkammer eingesetzt werden und ohne Sonden auskommen. Die bisherigen sondenlosen Herzschrittmacher eigneten sich allerdings nur für Personen, die ausschließlich eine Stimulation der rechten Herzkammer benötigen. Ist sowohl eine Stimulation im rechten Herzvorhof als auch in der rechten Herzkammer erforderlich (die sogenannte Zweikammer-Stimulation), musste bisher auf ein herkömmliches System mit zwei Elektroden zurückgegriffen werden.

Nun haben Hindricks und sein Team einem 80-jährigen Berliner eigenen Angaben zufolge europaweit erstmalig einen kabellosen Schrittmacher aus den USA in die rechte Herzkammer eingesetzt, der sich perspektivisch mit einem weiteren kabellosen Schrittmacher im rechten Herzvorhof synchronisieren kann. Dies gab jüngst das DHZC bekannt.

Eine in den USA durchgeführte und im erst im Juni im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie mit 300 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten belegte über einen Zeitraum von 3 Monaten nach Implantation eine zuverlässige Schrittmacher-Funktion sowie eine sichere Kommunikation der im rechten Herzvorhof und der rechten Herzkammer eingesetzten kabellosen Schrittmachersysteme. 

Das Gerät kann über einen Zugang in der Oberschenkelvene eingesetzt werden, so dass kein Schnitt im Bereich des Brustkorb mehr nötig ist, und hat weitere, bislang weltweit einzigartige Vorteile. So hat der neue Schrittmacher laut Herstellerangaben eine Batterielaufzeit von mehr als 17 Jahren, doppelt so lang wie bisher erhältliche kabellose Systeme, eine „Mapping-Funktion“ zur exakten Platzierung im Herzen und einen speziellen Koppelungsmechanismus mit dem Katheter, der sowohl die Implantation als auch – wenn nötig – eine spätere Neupositionierung oder Entfernung deutlich einfacher machen soll als bei anderen Systemen. 

Die europaweit ersten Implantationen wurden in der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum jetzt ohne Komplikationen durchgeführt. „Wir freuen uns sehr, bei dieser wichtigen Innovation in Europa führend beteiligt zu sein“, sagt Hindricks. „Denn allein in Deutschland brauchen jedes Jahr rund 110.000 Patient:innen erstmals oder erneut einen Herzschrittmacher. Wir sind überzeugt, dass wir vielen dieser Patient:innen in Zukunft eine noch bessere Lebensqualität ermöglichen können.“

Der Einsatz als Zweikammer-System steht in Europa noch unter dem Vorbehalt der Zulassung, mit der aber zum Ende des Jahres gerechnet wird.