Premiere in Lübeck: Mit Kryoablation gegen Kammertachykardien

Mit ultraniedrigen Temperaturen gerät das Herz zurück in den Takt. (Symbolfoto: ©Oksana Churakova/stock.adobe.com)

Am Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, wurde weltweit erstmals in der klinischen Versorgung ein Patient mit einer lebensgefährlichen Kammertachykardie mit einem neuen Verfahren behandelt.

Das sogenannte vCLAS-Kryoablationssystem wurde bislang im Rahmen von Studien erprobt. „Wir sind stolz darauf, als erstes Zentrum diese wegweisende Methode erfolgreich einzusetzen und weitere Forschungsarbeiten dazu voranzutreiben“, sagt Prof. Roland Tilz, Direktor der Klinik für Rhythmologie am UKSH in Lübeck.

Das neue Behandlungsverfahren basiert auf einem Katheter, der Temperaturen von -150°C und niedriger erreichen kann. Der Ablationskatheter wird über die Leiste eingeführt und im Gewebe, von dem die Kammertachykardien ausgehen, platziert. Durch die gezielte Abgabe von Kälteenergie wird die vorgeschädigte Herzmuskulatur vereist; die Rhythmusstörung kann so nachhaltig beseitigt werden.

„Ein entscheidender Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Tiefe der erzeugten Gewebeveränderung. Dank des besonderen Katheterdesigns und der ultra-niedrigen Temperaturen können Läsionen von über zehn Millimetern erzeugt werden, wodurch selbst tiefreichende Narbenareale in der Herzmuskulatur sicher und gezielt behandelt werden können“, erklärt Tilz.

Das Kryoablationssystem erhielt im Frühjahr die CE-Kennzeichnung, basierend auf den Ergebnissen der ersten klinischen Studie (Cryocure-VT). Dabei wurde das Verfahren in neun internationalen Zentren an Patientinnen und Patienten mit Herzmuskelerkrankungen untersucht. Die Studie belegt die Sicherheit und Effektivität des Systems und wurde auf der Jahrestagung der Europäischen Herz-Rhythmus-Vereinigung (EHRA) vorgestellt.