Presbyopie: Neue Möglichkeiten gegen Alterssichtigkeit

Augentropfen zur Steigerung der Lesefähigkeit könnten künftig eine alternative Methode sein, um die Versorgungslücke zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Presbyopie zu schließen.Symbolbild.)Bild:©Todayphoto-stock.adobe.com

Was bringen Augentropfen und Co bei Presbyopie? Darüber berichtete Prof. Gerd-Uwe Auffarth auf der Vorab-Pressekonferenz zum 124. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.

Auffarth (Heidelberg) erklärte, dass sich das Sehen im Laufe des Lebens bei jedem Menschen verändert. Als Beispiel nannte er die Alterssichtigkeit (Presbyopie), die häufig ab dem 40. Lebensjahr oder Mitte 40 einsetzt. Mit zunehmendem Alter wird die Augenlinse steifer und ist dann nicht mehr so flexibel, um sich ausreichend auf die Nähe einzustellen. „Wir werden entweder dazu gezwungen, Sachen weiter wegzuhalten oder eben halt mit Lesebrillen zu arbeiten“, erläuterte Auffarth. Diese Situation verschärfe sich bis etwa Mitte Fünfzig, wo dann mehr oder weniger der finale Nahbedarf erreicht sei.

Versorgungslücke zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr

In Deutschland werden laut Auffarth am häufigsten Kunstlinsen eingesetzt, um der Presbyopie zu begegnen. Ein solcher Eingriff sei jedoch erst sinnvoll, wenn die hintere Glaskörperabhebung abgeschlossen ist. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Vorgang, bei dem sich der Glaskörper von der Netzhaut löst. Wird vorher operiert, sei insbesondere bei kurzsichtigen Patienten mit Netzhautablösungen und anderen Komplikationen zu rechnen. Deshalb werde empfohlen, entsprechende Eingriffe erst ab dem 50. Lebensjahr oder Mitte 50 durchzuführen, erläuterte der Heidelberger Ophthalmologe.

Dadurch entstehe Auffarth zufolge eine Versorgungslücke zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Für diese Zeit gebe es verschiedene Möglichkeiten, die die Presbyopie jedoch nur eingeschränkt kompensieren könnten. Dazu zählten etwa hornhautbasierte Verfahren wie spezielle Laserverfahren. Bei der Monovision beziehungsweise bei Blended-Vision-Techniken werde ein Auge für die Ferne und den Zwischenbereich, das andere für den Zwischen- und Nahbereich gelasert. Diese Verfahren hätten sich laut Auffarth jedoch nicht wirklich durchgesetzt. Sie seien zwar technisch gut durchführbar, kämen aber aufgrund ihrer möglichen Einschränkungen nicht für jeden Patienten infrage. Zudem seien sie mit einer gewissen Invasivität verbunden.

USA: Augentropfen zur Steigerung der Lesefähigkeit – nicht nebenwirkungsfrei aber eine gute Zwischenlösung

Eine weitere Möglichkeit, die zunehmend aus den USA nach Europa komme, seien Augentropfen, die die Lesefähigkeit steigern können. Wie Auffarth berichtete, beruhe deren Wirkung häufig auf einer Verengung der Pupille. Der dadurch entstehende sogenannte Pinholeffekt erhöhe die Tiefenschärfe. Gleichzeitig könnten diese Augentropfen teilweise auch noch eine Restakkommodation der Augenlinse beeinflussen.

Die meisten dieser Präparate basieren dem Experten zufolge auf dem Wirkstoff Pilocarpin. In den USA seien bereits vier entsprechende Produkte von der FDA zugelassen. Dabei handelt es sich um Augentropfen, die man beispielsweise regelmäßig morgens und abends oder gezielt vor dem Lesen angewendet. Dadurch könne für einen bestimmten Zeitraum sowohl das Sehen in der Nähe als auch in der Ferne verbessert werden. „Da gibt es dann entsprechende Therapie-Schematat, die reichen von zweimal täglich eintropfen, dass man generell eine gewisse Tiefenschärfe hat, bis hin zu drei Stunden, bevor man lesen will“, führte Auffarth aus.

Allerdings wiesen die Augentropfen nach Angaben des Ophthalmologen auch Nachteile auf. Durch die Pupillenverengung komme es zu einem gewissen Lichtverlust. Dadurch könne das Sehen und die Orientierung bei Dunkelheit eingeschränkt sein. Zudem seien die Präparate nicht nebenwirkungsfrei. So könnten Rötungen der Augen und Schmerzen auftreten. Grundsätzlich seien die Augentropfen aus Auffarths Sicht jedoch eine vergleichsweise schonende Zwischenlösung, bis ein Linseneingriff oder ein anderer definitiver Eingriff infrage komme.

(sas/BIERMANN)

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