Prof. Georg F. Hoffmann verabschiedet sich aus „seiner“ Kinderklinik

Professor Dr. Georg F. Hoffmann (Foto: © Universitätsklinikum Heidelberg)

Nach 27 Jahren im Amt des Ärztlichen Direktors der Klinik für Kinderheilkunde I: Allgemeine Pädiatrie, Neuropädiatrie, Stoffwechsel, Gastroenterologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Heidelberg ist Prof. Georg F. Hoffmann in den Ruhestand verabscheidet worden.

Seit 36 Jahren ist Prof. Dr. Prof. h.c. mult.(PRC) Georg F. Hoffmann eng mit der Kinderklinik des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) verbunden, seit 1999 als Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderheilkunde I und langjähriger Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg. Unter seiner Ägide entstand die 2008 eingeweihte Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik, die alle Kinderkliniken des UKHD unter einem Dach vereint und mit 200 Betten eine der deutschlandweit größten Kinderkliniken ist. 2012 folgte der Verbindungsbau zur Universitäts-Frauenklinik mit Neonatologie, Frühgeborenen-Intensivstation (FIPS) und Kinderherzchirurgie. 2014 wurde das Dietmar Hopp-Stoffwechselzentrum, in dem Neugeborenen-Screening, Stoffwechsellabor, Notfalldiagnostik und Forschung zu angeborenen Stoffwechselerkrankungen erstmals zusammengeführt wurden, im neu errichteten Analysezentrum III eröffnet. Hoffmanns Ziel war es dabei stets, optimale Bedingungen für Patienten, Angehörige sowie Mitarbeitende zu schaffen und gleichzeitig die Voraussetzungen für innovative Forschung und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu verbessern.

„Professor Hoffmann hat die pädiatrische Versorgung und Infrastruktur am UKHD nachhaltig geprägt und weit über die Region hinaus Maßstäbe gesetzt. Er hat Neugeborenen-Screening, Spezialdiagnostik und Erforschung angeborener Stoffwechselerkrankungen zusammengeführt und damit wesentlich dazu beigetragen, dass Heidelberg heute zu den führenden Stoffwechselzentren in Europa zählt. Sein wissenschaftlicher Weitblick, sein unermüdlicher Einsatz für betroffene Familien und sein anhaltendes Engagement in der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen haben zahllosen Kindern und ihren Familien ein weitgehend normales Leben ermöglicht“, erklärte Prof. Hanns-Peter Knaebel, Vorstand Medizin und Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim. „Diese Lebensleistung verdient höchsten Dank und Anerkennung.“

Heidelberger Pilotstudien prägen Neugeborenen-Screening maßgeblich

1990 kam Hoffmann erstmals an die Heidelberger Kinderklinik, im Gepäck das in den USA erworbene Knowhow um die massenspektrometrische Analyse von Stoffwechselprodukten im Blut – der Grundstein für die spätere Erweiterung des Neugeborenen-Screenings. Damals wurden Neugeborene auf die Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU) und die angeborene Schilddrüsenunterfunktion untersucht. Die frühe Diagnose weiterer angeborener Erkrankungen war noch nicht möglich. Die Zeit als Oberarzt auf der Frühgeborenen-Intensivstation führten Hoffmann die Relevanz dieser Versorgungslücke vor Augen: „Rund 30 bis 40 Prozent der Kinder, die in den ersten Lebenstagen und -wochen starben, litten an seltenen Erkrankungen, die wir weder rechtzeitig feststellen noch behandeln konnten“, berichtet der Kinderarzt.

Als er 1999 nach fünfjähriger Tätigkeit am Universitätsklinikum Marburg als Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderheilkunde I nach Heidelberg zurückkehrte, schrieb er sich die Entwicklung geeigneter Analyseverfahren und Therapien für angeborene Stoffwechselerkrankungen auf die Fahnen. Unter anderem dank der wissenschaftlichen Vorarbeiten seines Teams wurde das erweiterte Neugeborenen-Screening 2005 als Kassenleistung eingeführt und damit bundesweit zugänglich gemacht. Seit 2026 wird auf 23 Erkrankungen beziehungsweise Erkrankungsgruppen getestet, 18 dieser Erkrankungen wurden auf Grundlage mehrerer Heidelberger Pilotstudien – langjährig gefördert durch die Dietmar Hopp Stiftung – in das deutsche Neugeborenen-Screening aufgenommen. „Heute identifizieren wir bei einem von 700 Neugeborenen eine angeborene Erkrankung. Das sind bei den jährlich rund 140.000 Proben aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die bei uns am Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum analysiert werden, 200 Neugeborene, die wir retten und denen wir viel Leid ersparen können. Das ist die inzwischen erfolgreichste sekundärmedizinische Präventionsmaßnahme weltweit“, resümiert Hoffmann nicht ohne Stolz.

Aus einer Klinik werden zwei

Eng verbunden mit diesem Erfolg ist die Gründung des Zentrums für Seltene Erkrankungen Heidelberg (ZSE) im Jahr 2011, dessen Vorsitzender er seitdem war. Das Zentrum bietet Betroffenen eine koordinierte Versorgung und bündelt die wissenschaftliche und klinische Expertise verschiedener Fachdisziplinen. An dem Zentrum werden inzwischen Kinder und Erwachsene aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus betreut.

Bis September 2026 nahm Hoffmann in dem vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 13,6 Millionen Euro geförderten Verbundprojekt INTEGRATE-ATMP seine Funktion als stellvertretender Konsortialleiter wahr und begleitete das Projekt bis zum offiziellen Abschluss. Das deutschlandweite Konsortium entwickelte unter Heidelberger Federführung Strukturen und Strategien für die qualitätsgesicherte Einführung von Gen- und Zelltherapien, sogenannten Advanced Therapy Medicinal Products (ATMPs). „Die Entwicklungen im Bereich der Gentherapien knüpfen nahtlos an unsere jahrelangen Arbeiten am Neugeborenen-Screening an, denn sie eröffnen nun erstmals kausale Behandlungsmöglichkeiten und erweitern damit auch das Spektrum der ,screenbaren‘ Erkrankungen“, so Hoffmann.

Mit dem Generationenwechsel wird die Klinik für Kinderheilkunde I zweigeteilt: in die Kinderklinik I für Allgemeine Pädiatrie, Gastroenterologie, Nephrologie, Rheumatologie und Organtransplantation, deren neuer Ärztlicher Direktor, Prof. Jun Oh, am 1. September 2026 sein Amt angetreten hat, und in die Kinderklinik V für Neuropädiatrie, Stoffwechselmedizin, Endokrinologie und Diabetologie, die aktuell von Prof. Steffen Syrbe kommissarisch geleitet wird.