Programm zur Suizidprävention bei Jugendlichen ausgezeichnet

Ein Forschungsteam entwickelt eine kurze und standardisierte psychotherapeutische Intervention nach Notfallaufnahme zur Krisenintervention nach Suizidversuch. Dafür gab es nun eine Auszeichnung. (Foto: © Thongden_studio/stock.adobe.com)

Prof. Christine M. Freitag, Direktorin der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, ist auf dem Deutschen Patientenkongress Depression mit dem Carlsson Wedemeyer-Förderpreis ausgezeichnet worden. 

Geehrt wurde die Medizinerin für ihr Forschungsvorhaben „Entwicklung eines standardisierten Suizidpräventionsprogramms nach Notaufnahme aufgrund akuter Suizidalität in der Kinder- und Jugendpsychiatrie“.

Vergangene Suizidversuche sind ein wesentlicher Risikofaktor für weitere Suizidversuche. Vor diesem Hintergrund ist eine effektive Behandlung nach einem Suizidversuch notwendig zur Prävention weiterer Selbsttötungsversuche. Während standardisierte Nachbehandlungen für Erwachsene bereits erfolgreich eingesetzt werden, existiert für Jugendliche bislang keine vergleichbare Intervention.

Das Team der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Frankfurt unter Freitags Leitung entwickelt in dem geförderten Forschungsvorhaben eine kurze und standardisierte psychotherapeutische Intervention nach Notfallaufnahme zur Krisenintervention nach Suizidversuch. Den Jugendlichen und ihren Eltern werden drei psychotherapeutische Sitzungen angeboten, in denen die individuellen Ursachen und Risikofaktoren für den vergangenen Suizidversuch und Strategien zur Rückfallprophylaxe erarbeitet werden. Ziel ist es, weitere Suizidversuche zu verhindern.

Mit dem Preisgeld von 10.000 Euro sollen zunächst die Umsetzbarkeit und Akzeptanz des Programms bei den Jugendlichen und ihren Eltern sowie den behandelnden Therapeuten untersucht werden. Auf Basis der Ergebnisse soll das Behandlungsmanual konkret an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst werden.

Suizid eine der häufigsten Todesursachen bei jungen Menschen

„Jährlich sterben in Deutschland etwa 500 Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 durch Suizid. Damit gehört Suizid in der jungen Altersgruppe zu den häufigsten Todesursachen. Vor diesem Hintergrund ist es für uns ein großes Anliegen, die Versorgung junger Menschen in akuter Suizidalität zu verbessern“, erklärte Prof. Heiner Wedemeyer. Er vertritt die Familie, die den Preis seit 2011 in Erinnerung des im Alter von 16 Jahren verstorbenen Carlsson Wedemeyer stiftet. Der Preis soll als Anschubfinanzierung für das ausgezeichnete Projekt dienen.

„Die Depression geht mit einem enormen Leid für die Betroffenen einher. Das kann in schweren Fällen dazu führen, dass der Wunsch entsteht, so nicht mehr weiterleben zu wollen. Wenn es wie in diesem ausgezeichneten Projekt gelingt, junge Menschen nach einem Suizidversuch noch besser zu versorgen und künftige akute Krisen im besten Fall zu verhindern, können wir das Leben vieler junger Erwachsener retten“, ergänzt Prof. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Vorsitzender der Jury. Die Jury bewertete neben der thematischen Relevanz und potenziellem Nutzwert im späteren Einsatz auch die finanzielle Machbarkeit.

Verleihung beim Deutschen Patientenkongress Depression

Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, übergab den diesjährigen Carlsson Wedemeyer-Förderpreis im Rahmen des diesjährigen Patientenkongress Depression am 1. Juni 2024. Der Deutsche Patientenkongress Depression findet alle zwei Jahre statt und wird von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention und der Patientenvertretung „Deutsche DepressionsLiga“ veranstaltet. Unter dem diesjährigen Motto: „Gemeinsam statt einsam“ bot die Veranstaltung sowohl Betroffenen als auch Angehörigen eine Plattform für Information, Austausch und Vernetzung. Zum Kongress kamen insgesamt 1200 Besucher in die Alte Oper in Frankfurt/Main.