Projektförderung: Personalisierte Implantate für Gefäßerkrankungen

Olav Jansen, Direktor der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, und Projektleiterin Mariya Pravdivtseva mit einem Gefäßmodell, das auf Basis von Bildgebungsdaten mittels 3D-Druck hergestellt wurde. Dieses Modell kann an eine Pumpe angeschlossen werden, um einen realistischen Blutfluss zu simulieren. So können Aneurysma-Behandlungen mit Implantaten durchgeführt und die Ergebnisse von Simulationen validiert werden. (Foto: ©Amra Cemanovic/UKSH)

Das Projekt STRIVE soll die Entwicklung personalisierter Implantate bei Gefäßerkrankungen voranbringen. Es erhält eine staatliche Forschungsförderung von 2,3 Millionen Euro.

Bislang ist die Passform von Gefäßimplantaten standardisiert. Eine Maßanfertigung verspricht hingegen eine verbesserte Wirkung und weniger Komplikationen. Hier setzt das Projekt STRIVE (Simulation-based Trials for Vascular Treatment) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) an. Es soll die schnellere Entwicklung personalisierter Implantate zur Behandlung von Aneurysmen ermöglichen. Die Klinik für Radiologie und Neuroradiologie des UKSH, Campus Kiel, hat dafür 2,3 Millionen Euro beim Bundesforschungsministerium eingeworben. Der fünfjährige Förderzeitraum beginnt am 1. Juli 2026.

Nutzung digitaler Zwillinge und Künstlicher Intelligenz

Nicht nur der Forschungsinhalt, auch die Methodik ist laut UKSH „äußerst innovativ“. So können durch die Erstellung digitaler Zwillinge von Patientinnen und Patienten sowie von Implantaten Behandlungsergebnisse vorhergesagt werden – ohne invasive Eingriffe oder großangelegte Studien. Außerdem nutzt das Forschungsteam Künstliche Intelligenz, um aus den Simulationen neue Gefäßimplantate zu entwerfen. Diese werden anschließend gefertigt und real geprüft.

„Auf diese Weise entsteht ein durchgängiger Prozess, der von digitalen Modellen zu greifbaren medizinischen Lösungen führt – mit direktem Nutzen für Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Olav Jansen. Jansen ist Direktor der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie und Ärztlicher Direktor des campusübergreifenden Radiologiezentrums. „Unser Ansatz ermöglicht die Entwicklung personalisierter Therapien, senkt Kosten und Entwicklungszeiten für die Herstellung neuer Implantate und reduziert den Bedarf an klinischen Studien“, ergänzt Projektleiterin Dr. Mariya Pravdivtseva, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik.

STRIVE ist inhaltlich eng mit der Initiative für Digitale Implantatforschung (IDIR) des UKSH, der CAU und des Helmholtz-Zentrums HEREON verbunden. Ziel dieser interdisziplinären Zusammenarbeit ist es, Implantatforschung und -entwicklung durch modernste Technologien auf ein neues Niveau zu heben.