Prostatakrebs in den USA: Weniger Männer gescreent, diagnostiziert und behandelt

PSA-Test (Symbolbild)
To screen or not to screen? Die Debatte geht weiter. Foto: angellodeco – Fotolia.com

Eine neue Studie zeigt eine Abnahme beim Screening und bei den Diagnosen für Prostatakrebs in den letzten Jahren sowie eine geringere Rate definitiver Therapie bei den Männern mit Diagnose. Die Ergebnisse wurden online vorab im Fachjournal „Cancer“ publiziert, einem Organ der American Cancer Society.

Es gibt eine lebhafte Debatte über den Stellenwert des Prostatakrebs-Screening über das prostataspezifische Antigen (PSA), und die Empfehlung der United States Preventive Services Task Force (USPSTF) dagegen im Jahr 2012 ist insbesondere in den Vereinigten Staaten Kern dieser Debatte. Die Empfehlung stützte sich zum Teil auf mögliche Schäden wie Erektile Dysfunktion und Harninkontinenz, die bei der Behandlung von klinisch insignifikantem Prostatakrebs durch Prostatektomie oder Bestrahlung verbunden sein können.

Datenanalyse um die Zeit der USPSTF-Empfehlung

Um die Diagnostik und Therapie für Prostatakrebs in den Jahren um die USPSTF-Empfehlung zu quantifizieren, haben Dr. James Kearns von der University of Washington School of Medicine in Seattle und seine Kollegen die Versicherungsforderungen von MarketScan analysiert, worin mehr als 30 Millionen privat versicherte US-Patienten erfasst sind. Die Arbeitsgruppe sah sich speziell die Informationen an, die darin über PSA-Tests, Prostatabiopsien, Prostatakrebsdiagnosen und definitive lokale Behandlung bei Männern zwischen 40 und 64 Jahren von 2008 bis 2014 enthalten waren. Männer unter 65 Jahren können am meisten von einer Bestrahlung oder Operation profitieren, weil Prostatakrebs viele Jahren nach Diagnose zu Problemen führen kann.

In der Analyse der vollständig über ein Jahr vorliegenden Daten von etwa sechs Millionen Männern nahmen PSA-Tests, Prostatabiopsien und Prostatakrebsdiagnosen von 2009 bis 2014 signifikant ab, besonders nach 2011. Die Rate an Prostatabiopsien pro 100 Patienten mit PSA-Test sank im Studienzeitraum von 1,95 auf 1,52. Die Prostatakrebsinzidenz pro Biopsie stieg im gleichen Zeitraum von 0,36 auf 0,39. Unter den Neudiagnosen von Prostatakrebs reduzierte sich der Anteil, dem eine definitive lokale Behandlung folgte, von 69 auf 54 Prozent. Sowohl die Häufigkeit von PSA-Tests als auch die Inzidenz von Prostatakrebs nahmen nach 2011 signifikant ab.

Mehr Aktive Überwachung?

„Zusätzlich zu einem verringerten Prostatakrebs-Screening fanden wir, dass weniger Männer die Diagnose Prostatakrebs erhielten und dass sogar weniger Männer mit Operation oder Bestrahlung wegen ihres Prostatakrebses behandelt wurden. Dies bedeutet, dass sie wahrscheinlich Aktive Überwachung für Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wählen“, sagt Kearns. „Dies ist wichtig, weil gezeigt wurde, dass Aktive Überwachung bei vielen Männern sicher ist und die mit der Prostatakrebstherapie verbundenen Probleme wie Harninkontinenz und Erektile Dysfunktion vermeiden kann. Ein Teil der Kontroverse um das Prostatakrebs-Screening betraf die Tatsache, dass Männer, die weder Bestrahlung noch Operation wegen ihres Prostatakrebses brauchten, diese Behandlungen trotzdem erhielten. Wenn diese Männer sich stattdessen einer Aktiven Überwachung ihres Niedrigrisiko-Prostatakrebses unterziehen, dann wird der Schaden durch ein Screening geringer sein.“

In einem begleitenden Editorial merkt Dr. Christopher Filson von der Emory University School of Medicine an, dass zusätzliche Forschung nötig ist, um herauszufinden, welche Männer am meisten vom Screening haben, und um gleichzeitig die Überbehandlung zu reduzieren und die Inzidenz von metastasiertem Prostatakrebs in der Zukunft zu verringern. „Der Schlüssel wird sein, das PSA-Screening – zusätzlich zu Biopsien und der Prostatakrebsbehandlung – intelligenter, nicht häufiger durchzuführen“, schreibt er.

(Wiley/ms)

Publikation:

“PSA Screening, Prostate Biopsy, and Treatment of Prostate Cancer in the Years Surrounding the USPSTF Recommendation Against Prostate Cancer Screening.” James T. Kearns, Sarah K. Holt, Jonathan L. Wright, Daniel W. Lin, Paul H. Lange, and John L. Gore. CANCER; Published Online: May 21, 2018 (DOI:10.1002/cncr.31337).