Prostatakrebs: Mortalität nach früher Hormontherapie variiert stark

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US-Urologen haben in einer aktuellen Publikation die Progressions- und Mortalitätsraten von Männern analysiert, die nach radikaler Prostatektomie (RP) aufgrund eines biochemischen Rezidivs (BCR) bei Prostatakrebs (PCa) frühzeitig mit Androgendeprivationstherapie (ADT) behandelt wurden. Ziel ihrer Arbeit war es, das Progressionsrisiko adäquat abschätzen zu können.

Wie Erstautor Timothy J. Daskivich von der Abteilung für Urologie am Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles (USA) und Kollegen betonen, basiert die aktuelle Prognoseeinschätzung auf Daten aus der Zeit vor 2000, als die Einleitung einer ADT noch bis zum Auftreten von Metastasen herausgezögert wurde. Die meisten Männer begönnen heute aber schon bei niedrigen PSA-Werten vor dem Auftreten von Metastasen mit der ADT, so Daskivich et al. Insbesondere bei Hochrisiko-PCa könne eine erweiterte ADT das metastasenfreie Überleben verbessern.

Frühe Hormontherapie wegen biochemischen Rezidivs

Aus diesen Gründen führten die Mediziner eine Beobachtungsstudie mit 1108 Männern mit nicht metastasiertem PCa durch, die zwischen 1988 und 2019 nach einer RP aufgrund eines BCR eine ADT erhielten. Die Daten stammten aus der SEARCH-Datenbank der US-Veteranenbehörde (VA). Mithilfe von Fine-und-Gray-Modellen für konkurrierende Risiken quantifizierten die Wissenschaftler die Risiken für Metastasierung, kastrationsresistenten PCa (CRPC) und PCa-bedingte Mortalität (PCSM) anhand wichtiger Prädiktoren.

Die mediane Nachbeobachtungszeit nach ADT bei Männern, die nicht an PCa verstorben waren, betrug 5,8 Jahre (IQR 3,0–9,9). Der mediane PSA-Wert zu Beginn der ADT lag bei 1,3 ng/ml (Interquartile Range [IQR] 0,4–4,9). In der Gesamtkohorte betrugen die Risiken für Metastasierung, CRPC und PCSM 15 Jahre nach ADT-Beginn 28%, 27% bzw. 19%. In multivariablen Modellen waren ein höherer PSA-Wert vor ADT, eine kürzere PSA-Verdopplungszeit vor ADT, ein höherer pathologischer Grad und eine Samenblaseninvasion mit einem höheren Risiko für Metastasierung, CRPC und PCSM assoziiert.

Aktuelle Nomogramme zur Abschätzung des Progressionsrisikos

Aufgrund ihrer Daten erstellten Daskivich und Kollegen prädiktive Nomogramme und Tabellen zur Abschätzung des 3-, 5-, 10- und 15-Jahres-Risikos für Metastasierung, CRPC und PCSM in Abhängigkeit vom PSA-Wert und von ­der PSA-Verdopplungszeit bei ADT-Beginn, vom pathologischen Grad und vom Vorliegen einer Samenblaseninvasion. Das Risiko für PCSM 15 Jahre nach Beginn der ADT variierte zwischen 2% und 60% in den verschiedenen Subgruppen. Die Autoren hoffen, dass diese aktuellen Prognoseeinschätzungen dazu beitragen können, Hochrisikopatienten zu identifizieren, die Kandidaten für eine intensivierte Hormontherapie sind.

(ms)