Prothrombotische Autoantikörper bei jedem zweiten COVID-19-Patienten

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Die Histopathologie der Lunge verstorbener COVID-19-Patienten zeigt häufig Blockaden in den kleinen Blutgefäßen auf Fibrinbasis. Der prothrombotische Phänotyp erinnert dabei stark an Lupus und das Antiphospholipid-Syndrom (APS). Bei APS werden pathogene Autoantikörper gebildet, die auf Phospholipide und Phospholipid-bindende Proteine (aPL-Antikörper) abzielen. Auch bei COVID-19 gibt es aPL-Antikörper.

Eine amerikanische Studie hat sich vor diesem Hintergrund mit der Messung von 8 Arten von aPL-Antikörpern in Serumproben von 172 hospitalisierten COVID-19-Patienten beschäftigt. Die Studienergebnisse legen nahe, dass die Hälfte dieser Patienten zumindest vorübergehend über mindestens einen dieser potenziell pathogenen aPL-Autoantikörper verfügt. Die Antikörperniveaus waren zudem mit der Aktivierung von Neutrophilen und dem Gerinnungsweg assoziiert.

Die untersuchten aPL-Antikörper umfassten die Anticardiolipin-Immunglobulin(Ig)G, -IgM und -IgA, die Anti-β2-Glykoprotein-I-IgG, -IgM und -IgA und Anti-Phosphatidylserin/Prothrombin(aPS/PT)-IgG und -IgM. Die Forscher wiesen in 24% der Serumproben aPS/PT-IgG, in 23% der Proben Anticardiolipin-IgM und in 18% der Proben aPS/PT-IgM nach. Die aPL-Autoantikörper waren, unter Verwendung des Testhersteller-Schwellenwertes, in 52% der Serumproben vorhanden. Wurde ein strengerer Schwellenwert verwendet, waren diese noch in 30% der Proben vorhanden.

Höhere Titer von aPL-Antikörpern waren mit der Hyperaktivität von Neutrophilen, einschließlich der Freisetzung von neutrophilen extrazellulären Fallen (NETs), höheren Thrombozytenzahlen, schwereren Atemwegserkrankungen und einer niedrigeren klinisch geschätzten glomerulären Filtrationsrate verbunden. Ähnlich wie IgG von APS-Patienten aktivierten IgG-Fraktionen von COVID-19-Patienten die Neutrophilen von Gesunden in vitro und führten zur Bildung von NETs. Gereinigte Antikörper von COVID-19-Patientenseren potenzierten außerdem Thrombosen und beschleunigten Venenthrombosen in Mäusen.

Fazit
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Hälfte der mit COVID-19 hospitalisierten Patienten zumindest vorübergehend positiv für aPL-Antikörper wird und dass diese Autoantikörper potenziell pathogen sind. Somit könnten Autoantikörper ein potenzielles therapeutisches Ziel bei schweren Verläufen sein. (sh)

Autoren: Zuo Y et al.
Korrespondenz: Jason Knight; [email protected]
Studie: Prothrombotic autoantibodies in serum from patients hospitalized with COVID-19
Quelle: Sci Transl Med 2020;12(570):eabd3876.
Web: http://doi.org/10.1126/scitranslmed.abd3876