Protonen- versus Photonen-Strahlentherapie beim Oropharynxkarzinom

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Ist bei Patienten mit Oropharynxkarzinom die intensitätsmodulierte Protonen-Strahlentherapie eine Alternative zur intensitätsmodulierten Photonen-Strahlentherapie? Dieser Frage ging eine aktuelle US-amerikanische Studie nach.

Derzeitiger Standard bei der Behandlung des Oropharynxkarzinoms mittels Photonen-Strahlentherapie ist die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). Aufgrund der Toxizität stellt sich aber die Frage nach verträglicheren Therapieoptionen. Eine davon ist die Protonentherapie, die eine Deeskalation der Behandlung ermöglichen könnte.

Ob Krankheitskontrolle und Überleben mit intensitätsmodulierter Protonen-Strahlentherapie (IMPT) und IMRT – jeweils in Kombination mit systemischer Therapie – vergleichbar sind und ob die IMPT weniger toxisch ist, waren Kernfragen der Phase-III-Studie eines Teams um Prof. Steven J Frank vom MD Anderson Cancer Center der Universität Texas in Houston. Die IMPT schnitt dabei gut genug ab, dass sie für die Studienautoren eine neue Standardbehandlungsoption für Oropharynxkarzinom-Patienten darstellt. Die Studie im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht.

Protonen-Strahlentherapie nicht unterlegen

Für seine randomisierte, multizentrische, offene Nichtunterlegenheitsstudie rekrutierte das Team Patienten (≥18 Jahre) mit Oropharynxkarzinom im Stadium III oder IV und einem ECOG-Performance-Status von 0–2 an 21 Krebszentren in den USA. Die Studienteilnehmer wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert der IMPT- oder der IMRT-Gruppe zugeteilt. Alle Patienten wurden mit einer Strahlentherapie von 70 Gy in 33 Fraktionen auf den Primärtumor und die zervikale Lymphadenopathie behandelt. Interdisziplinäre Tumorboards des jeweiligen Krebszentrums legten auf Grundlage internationaler Leitlinien Art, Zeitplan und Dosis der Induktions- oder begleitenden systemischen Therapie fest. Der primäre Endpunkt – das PFS – wurde in der ITT-Population bewertet. Sicherheitsendpunkte beurteilten die Autoren in der Per-Protocol-Population (d. h. bei Patienten, die die zugewiesene Therapie erhielten). Es wurde eine Nichtunterlegenheitsgrenze von 9 Prozentpunkten für das PFS nach 3 Jahren festgelegt.

Vom 10.10.2013 bis zum 01.05.2022 stimmten 440 Patienten der Teilnahme zu. Sie waren im Median 61 Jahre alt (IQR 55–68; 399 [91%] männlich; 409 [93%] weiß). Der IMPT-Gruppe teilten die Autoren 221 Patienten zu, 160 (72%) von ihnen erhielten eine IMPT. Von 219 der IMRT-Gruppe zugeteilten Teilnehmern wurden 136 (62%) mit einer IMRT behandelt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,2 Jahren betrugen die PFS-Raten in der IMPT-Gruppe 82,5% (95%-KI 76,1–87,3) nach 3 Jahren und 81,3% (95%-KI 74,5–86,5) nach 5 Jahren. Die entsprechenden Raten für die IMRT-Gruppe lagen bei 83,0% (95%-KI 76,7–87,7) bzw. 76,2% (95%-KI 68,0–82,6; HR 0,88; 95%-KI 0,57–1,35; p=0,005 für die Nichtunterlegenheit der IMPT). Die OS-Raten nach der IMPT lagen nach 5 Jahren bei 90,9% gegenüber 81,0% nach der IMRT (HR 0,58; 95 %-KI 0,34–0,99; p=0,045).

Vergleichbare Krankheitskontrolle bei geringerer Toxizität

Im Zusammenhang mit der Behandlung verstarben 9 Patienten, 6 in der IMRT-Gruppe und 3 in der IMPT-Gruppe. An der Progression starben 27 Patienten (IMRT-Gruppe: 18; IMPT-Gruppe: 9). Die 5-Jahres-Krankheitskontrollraten für IMPT und IMRT waren in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar: Sie lagen für lokale Rezidive bei 2,9% vs. 5,6% (p=0,474), für regionale Rezidive bei 3,4% vs. 3,2% (p=0,860) und für Fernmetastasen bei 9,1% vs. 8,9% (p=0,897). Schwere Lymphopenie wurden in der IMRT-Gruppe häufiger beobachtet (89% vs. 76%), ebenso wie Dysphagie (49% vs. 31%), Xerostomie (45% vs. 33%) und die Abhängigkeit von einer PEG-Sonde (40,2% vs. 26,8%; p=0,018).

Insgesamt erwies sich die IMPT hinsichtlich des PFS als nicht unterlegen, zeigte eine Verbesserung des OS sowie eine vergleichbare Krankheitskontrolle. Auch Toxizitäten höheren Grades fielen im Vergleich zu IMRT geringer aus. Außerdem traten behandlungsbedingte Todesfälle und Todesfälle nach Progression unter IMRT häufiger auf. Aufgrund ihrer Ergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die IMPT eine neue Standardbehandlungsoption für Patienten mit Oropharynxkarzinom darstellt. (ja/BIERMANN)