PSMA-PET/CT nach unklarem MRT-Befund könnte unnötige Prostatabiopsien reduzieren

PET/CT-Scanner. Symbolbild: Yaikel Dorta – stock.adobe.com

Mithilfe der PSMA-PET/CT ließe sich neuen Daten zufolge die Anzahl der Patienten halbieren, die nach einem unklaren oder unauffälligen MRT-Befund eine Biopsie bei Verdacht auf Prostatakrebs benötigen. Dies geht nicht auf Kosten der onkologischen Sicherheit, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Ergebnisse wurden am 13. März 2026 auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU26) in London vorgestellt. An der PRIMARY2-Studie nahmen 660 Männer teil, deren MRT-Befund unauffällig war (PI-RADS*-Score 2–3) und die ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko hatten, beispielsweise aufgrund einer starken familiären Vorbelastung oder einem steigenden PSA-Wert. Sie wurden per Zufallsprinzip entweder einer transperinealen Prostatabiopsie (Kontrollgruppe) oder einer PSMA-PET/CT (experimentelle Gruppe) zugeteilt.

In diesem bildgebenden Verfahren bindet ein radioaktiv markiertes Molekül an das Prostataspezifische Membranantigen (PSMA), das vor allem auf Prostatakrebszellen und ihren Metastasen exprimiert wird. In der Positronenemissionstomographie (PET) lassen sich so auch kleinste Tumorherde erkennen.

Die Patienten wurden zwei Jahre lang begleitet. Mithilfe der PSMA-PET/CT-Untersuchung konnten Teilnehmer identifiziert werden, die entweder keinen Krebs hatten oder deren Krebs so geringgradig oder langsam wachsend war, dass er wahrscheinlich nie Beschwerden verursachen würde. Diese Männer benötigten keine Biopsie. Patienten mit einem positiven PSMA-PET/CT-Befund erhielten hingegen eine Biopsie. Durch diesen Ansatz konnte die Anzahl der benötigten Biopsien halbiert werden, ohne dass bösartige Tumore übersehen wurden.

Überdiagnostik halbiert

In Zahlen: In der Kontrollgruppe wurde bei 44 % der Teilnehmer eine Biopsie durchgeführt, obwohl kein Prostatakrebs vorlag, verglichen mit 22 % in der experimentellen Gruppe. In der Kontrollgruppe hatten 32 % der Teilnehmer einen niedriggradigen oder langsam wachsenden Tumor, der keiner Behandlung bedurfte, verglichen mit 14 % in der experimentellen Gruppe.

Bei Patienten, die weiterhin eine Biopsie benötigten, stellten die Scan-Ergebnisse sicher, dass der Eingriff gezielt auf die im Test identifizierten verdächtigen Bereiche ausgerichtet wurde, um Komplikationen zu minimieren und die Genauigkeit zu verbessern.

PRIMARY2 war eine australienweite klinische Phase-III-Studie unter der Leitung des Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne und des St. Vincent’s Hospital in Sydney. Die PSMA-PET/CT-Untersuchung wird in Großbritannien und Europa zunehmend verfügbar, vor allem zur Diagnose von Hochrisiko- oder rezidivierendem Prostatakrebs. Kosten und Verfügbarkeit schränken jedoch weiterhin die breite Anwendung ein. In Australien ist sie weit verbreitet.

Dr. James Buteau, Nuklearmediziner am Peter MacCallum Cancer Centre, sagte beim EAU-Kongress: „Die Integration dieses Tests in die klinische Versorgung könnte dazu beitragen, die große Herausforderung der Überdiagnose von Prostatakrebs zu bewältigen. Diese führt im besten Fall zu unnötigen und im schlimmsten Fall zu schädlichen Behandlungen von Tumoren, die niemals Beschwerden verursachen würden.“

Doppelte Absicherung

Prof. Louise Emmett, Direktorin für Theranostik und Nuklearmedizin am St. Vincent’s Hospital, leitete die Studie gemeinsam mit Prof. Michael Hofman vom Peter MacCallum Cancer Centre. Sie sagte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die PSMA-PET/CT nach einer MRT-Untersuchung eine doppelte Absicherung bietet. Damit lässt sich feststellen, bei welchen Patienten ein klinisch signifikanter Krebs vorliegt und bei welchen ein geringes Risiko besteht, sodass keine Biopsie oder weitere Untersuchungen erforderlich sind.“

Prof. Derya Tilki ist Mitglied des Wissenschaftlichen Kongressbüros der EAU und Oberärztin für Urologie am Prostatakrebszentrum Martini-Klinik in Hamburg. Sie sagte: „Diese gut durchgeführte Studie zeigt, dass die Einbeziehung der PSMA-PET/CT bei Männern mit Läsionen mit niedrigem oder mittlerem Risiko – definiert durch MRT als PI-RADS 2 oder 3 – die Anzahl unnötiger Biopsien und die Diagnose klinisch insignifikanter Prostatakarzinome signifikant reduzierte. Wichtig ist, dass dies die Erkennung klinisch signifikanter Erkrankungen nicht beeinträchtigte. Diese Ergebnisse sprechen dafür, die PSMA-PET/CT in die Diagnostik entsprechend ausgewählter Patienten einzubeziehen.“

(ms/BIERMANN)