Psychopharmaka: Nicht immer die beste Lösung

Psychopharmaka
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Antidepressiva regen Veränderungen neuronalen Plastizität an. Während dieser Zeit ist das Gehirn für alle Reize und Erfahrungen, die aus der Umwelt kommen, besonders empfänglich. In neueren Tierstudien zu dieser Fragestellung konnte die ­Umwelt so kon­trolliert werden, dass Behandlungs­verläufe mit Psychopharmaka auf unterschiedliche Umwelteinflüsse ­zurückgeführt werden konnten. Die ­Ergebnisse zeigen: Positive, angereicherte Umwelten verbesserten den ­Behandlungsverlauf erheblich. Schädliche Umwelten hingegen verschlechterten den Behandlungsverlauf deutlich.

„Dies bedeutet, dass ungünstige Um­gebungseinflüsse die Medikamentenwirkung nicht nur abschwächen, sondern das Medikament sogar zur schädlichen Droge machen können“, erklärte Prof. Winfried Rief, Leiter der Psychotherapie-Ambulanz Marburg. „Keine medikamentöse Behandlung wäre hier die bessere Alternative.“ „Unser Review einschlägiger Studien zeigt, dass Psychopharmaka nicht für jeden Betroffenen die Therapie erster Wahl sind“, sagte Rief. Durch eine (­begleitende) psychotherapeutische ­Behandlung sollten eine störungsspezifische Therapie und weitere Interven­tionen zur Stimulation allgemeiner Verhaltens- und Umweltbedingungen erfolgen, die die Sozialkontakte verbessern und die körperliche Aktivität steigern. Auch bekannte Placebo-Mechanismen könnten in positiver Weise den Heilungsverlauf unterstützen.

 

Autoren: Rief W et al.
Korrespondenz: Prof. Dr. Winfried Rief, Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie
Studie: Rethinking psychopharmacotherapy: The role of treatment context and brain plasticity in antidepressant and antipsychotic interventions
Quelle: Neurosci Biobehav Rev. 2016 Jan;60:51-64.
Web: www.sciencedirect.com/science/article

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