Psychotherapie auch bei PTBS nach multipler Traumatisierung wirksam18. Januar 2024 Prof. Dr. Nexhmedin Morina (l.) und Dr. Thole Hoppen (Quelle: Thole Hoppen) Psychotherapie ist auch bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) nach multipler Traumatisierung eine wirksame Behandlungsmethode. Dies zeigt die Metastudie einer internationalen Forschergruppe unter Leitung der Psychologen Dr. Thole Hoppen und Prof. Nexhmedin Morina von der Universität Münster. Die Effektivität von psychotherapeutischen Interventionen für die PTBS im Erwachsenenalter ist in diversen Studien gut belegt. Bisher war jedoch noch nicht untersucht worden, ob die Wirksamkeit einer psychotherapeutischen Behandlung davon beeinflusst wird, ob die Störung auf ein einzelnes Ereignis wie einen Verkehrsunfall oder auf eine Mehrfachtraumatisierung zurückzuführen ist, wie etwa auf Kriegs-, oder wiederholte Missbrauchserlebnisse. Die auf der Basis von rund 10.600 Patientendaten wurde jetzt in der Fachzeitschrift Für die Metastudie, die in „Lancet Psychiatry“ veröffentlicht wurde, wertete das Forscherteam, zu dem auch Prof. Richard Meiser-Stedman von der britischen University of East Anglia, Dr. Ahlke Kip von der Universität Münster und Prof. Marianne Skogbrott Birkeland vom norwegischen Forschungszentrum für Gewalt und traumatischem Stress gehören, insgesamt 137 Fachartikel der vergangenen vier Jahrzehnte zur Behandlung von PTBS bei Erwachsenen aus. „Die Daten zeigen, dass mehrere Psychotherapieverfahren bei Mehrfachtraumatisierten hochwirksam sind, ähnlich hoch wie bei Einzeltraumatisierten“, erläutert Morina von der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Münster. Der Effekt war bisher nur für Kinder und Jugendliche berichtet worden, bestätigt sich nun aber auch bei der Behandlung von Erwachsenen. Dies sei eine „ermutigende Nachricht“ für Betroffene und Therapeuten. Weltweit leiden etwa vier Prozent aller Menschen an PTBS als Folge von traumatisierenden Ereignissen. Symptome können Schwierigkeiten mit ungewolltem Wiedererleben traumatischer Erinnerungen, Vermeidungsverhalten oder Schwierigkeiten in der Emotionsregulierung sein. Die neuen Befunde haben Auswirkungen auf die psychotherapeutische Praxis, die Ausbildung von Psychotherapeuten sowie weitere Berufsgruppen im Gesundheitssektor. „Unsere Daten können dazu beitragen, Behandlungsbarrieren gegenüber Menschen mit Mehrfachtraumatisierung abzubauen“, betont Hoppen. „Zu der Scheu der Betroffenen, über ihre traumatischen Erfahrungen zu sprechen, kommt eine Zurückhaltung mancher Psychotherapeutinnen und -therapeuten, diese Erlebnisse in der Therapie zur Sprache zur bringen. Dabei ist insbesondere die traumafokussierte Verhaltenstherapie, in der die traumatisierenden Erlebnisse nachträglich verarbeitet werden, laut unseren Auswertungen sehr wirksam.“ Sie gilt daher in nationalen wie internationalen Behandlungsrichtlinien als Behandlungsmethode erster Wahl. Für die künftige Forschung seien mehr Langzeitdaten nötig, um die Langzeitwirksamkeit genauer erfassen zu können, erklärten die Forschenden.
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