Psychotherapie-Studie: Forschende suchen nach Weg aus chronischer Depression19. April 2023 Prof. Kai Kahl. (Foto: © Nelli Polle) Das multizentrische Projekt ChangePDD vergleicht die Wirksamkeit von zwei unterschiedlichen Former der Psychotherapie bei chronischer Depression. Am Studienstandort Hannover werden noch Teilnehmer gesucht. Ein Drittel aller depressiven Erkrankungen verläuft chronisch, wovon in Deutschland derzeit rund 1,2 Millionen Menschen betroffen sind. Oft haben die Betroffenen bereits mehrere Therapien erhalten, doch keine zeigte eine ausreichende Wirkung. Hier setzt die Studie „Changing Persistent Depression Disorder“ (ChangePDD) an. Daran beteiligt ist auch die Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). In der Studie werden zwei unterschiedliche Psychotherapien miteinander verglichen. Das Ziel: „Wir wollen mehr über die Wirkweise von Psychotherapien erfahren, um die Behandlung besser an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten anpassen zu können“, erklärt Prof. Kai Kahl, Leiter des Studienzentrums der MHH. Das Projekt ChangePDD wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit zwei Millionen Euro für zwei Jahre gefördert. Bisher keine wissenschaftlich fundierte Behandlung „Menschen mit chronischer Depression sind besonders gefährdet, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems zu erleiden, in die Arbeitsunfähigkeit und die Frühberentung zu rutschen“, erklärt Kahl. Das sei nicht nur für die Betroffenen persönlich eine äußerst schwierige Situation, sondern auch eine ökonomische Belastung. „Leider gibt es bisher keine wissenschaftlich gestützte Behandlung für diese Patientengruppe“, bedauert der Psychiater. In der Studie Change PDD sollen nun die beiden Therapieprogramme „Cognitive-Behavioral Analysis System of Psychotherapy“ (CBASP) und „Behavioral Activation“ (BA) miteinander verglichen werden. Außer der MHH, an der Diplom-Psychologin Philippa Gebhardt die Studie koordiniert, sind an dem Projekt sechs weitere Studienzentren beteiligt. Die Studienleitung liegt bei Prof. Eva-Lotta Brakemeier von der Universität Greifswald. Etablierte versus neue Therapie Bei CBASP handelt es sich um einen neueren, speziell für Patienten mit chronischen Depressionen entwickelten Therapieansatz. Das integrative Verfahren kombiniert mehrere therapeutische Methoden. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf heilsamen korrigierenden Beziehungserfahrungen und Situationsanalysen zwischenmenschlicher Schwierigkeiten. BA wiederum ist eine etablierte Variante der Kognitiven Verhaltenstherapie. Sie gilt als „Goldstandard“ bei der Behandlung von Depressionen. Der Schwerpunkt dieser Therapie liegt auf der Interaktion des Menschen mit der Umwelt. Durch den Abbau von Barrieren und den Aufbau von Verhaltensfertigkeiten soll die Aktivität der Patienten gesteigert werden. Welches Verfahren wirkt bei welchen Menschen? Welche der beiden Behandlungsverfahren zeigt die bessere Wirkung bei der Patientengruppe mit chronischen Depressionen? Das ist die wichtigste Frage, die mit der Studie beantwortet werden sollen. „Ebenso interessant ist es für uns herauszufinden, welche der beiden Therapien bei welchen Patienten besser wirkt und warum“, erklärt Kahl. In das Projekt ChangePDD werden insgesamt 396 Patienten eingeschlossen. Alle durchlaufen ein Therapieprogramm, das aus einer zehnwöchigen Akutbehandlung und einer anschließenden sechswöchigen Erhaltungstherapie besteht. Die Akutbehandlung erfolgt stationär, kann zur Hälfte aber auch in einer Tagesklinik durchgeführt werden. Die Erhaltungstherapie erfolgt ambulant in einer Gruppe. Nach der insgesamt 16-wöchigen Therapie werden die Teilnehmenden für 48 Wochen nachbetreut und beobachtet. Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht Die Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie bietet noch Plätze zur Teilnahme an der Studie ChangePDD an. „Patientinnen und Patienten, die die bei dem Projekt mitmachen, profitieren beispielsweise davon, dass sie keine langen Wartezeiten bis zur stationären Aufnahme in die Klinik überbrücken müssen“, erläutert Kahl. Darüber hinaus erhalten sie während der gesamten Teilnahmezeit eine umfassende psychiatrische Diagnostik und Betreuung durch professionelles Personal. Weitere Informationen über die Studie und Teilnahmebedingungen erhalten Interessierte über die E-Mail-Adresse [email protected].
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