Multiple Sklerose-Therapie nutzt schützende B-Zellen des Darms7. August 2026 Symbolbild © YuryHan/stock.adobe.com Forschende haben einen bisher unbekannten Mechanismus aufgedeckt, durch den B-Zell-Depletionstherapien zu einem besseren Krankheitsverlauf bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose beitragen. Überraschenderweise scheint die Behandlung einen Teil ihrer positiven Wirkung dadurch zu entfalten, dass sie regulatorische Immunzellen mobilisiert, die natürlicherweise im Darm ansässig sind. Diese Studie wurde nun in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ veröffentlicht. Bei Multipler Sklerose (MS) greifen B-Zellen als Teil unseres Immunsystems irrtümlich die Myelinschicht, an. Diese Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf einer MS rückt diese Art der weißen Blutkörperchen als therapeutisches Ziel in den Fokus. Wichtig dabei ist, dass Forschende inzwischen wissen, dass bei MS nicht alle B-Zellen schädlich sind. Neben krankheitsverursachenden B-Zellen gibt es auch nützliche B-Zellen, die ihrer eigentlichen Aufgabe entsprechend zur Regulierung von Immunreaktionen beitragen und sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können. Ein internationales Forschungsteam um Prof. Anne-Katrin Pröbstel vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) sowie von den Universitäten Basel und Bonn und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) untersuchte in der Studie, wie sich B-Zell-Depletionstherapien auf diese schützenden B-Zell-Populationen auswirkt. Hierzu analysierten die Erstautorinnen Dr. Tradite Neziraj und Dr. Elisabeth Pössnecker Immunzellen aus verschiedenen Geweben. Dafür entnahmen sie Zellen aus dem Blut, Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit und Darmschleimhautgewebe von an der Studie teilnehmenden Kontrollpersonen und MS-Patientinnen sowie -Patienten, bei denen eine B-Zell-Depletion durchgeführt worden war, und untersuchten die entnommenen Zellen auf Art und Funktion. Sie beobachteten, dass die B-Zell-Depletionstherapie die Wanderung nützlicher B-Zellen aus dem Darm in den Blutkreislauf und das zentrale Nervensystem von Menschen mit MS förderte. Immuntherapie begünstigt Zellwanderung aus dem Darm „Unsere Forschung zeigt, dass die B-Zell-Depletion die Konzentrationen von Faktoren verändert, die B-Zellen regulieren, und mit einer verstärkten Migration schützender, aus dem Darm stammender B-Zellen einhergeht“, erklärt Prof. Pröbstel, geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Neurologie am UKB, Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation3 der Universität Bonn und Forschungsgruppenleiterin am DZNE. „Interessanterweise standen höhere Konzentrationen dieser B-Zell-regulierenden Faktoren mit besseren Behandlungsergebnissen bei MS-Patienten in Zusammenhang.“ Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse darüber, warum B-Zell-Depletionstherapien so wirksam sind. Anstatt lediglich schädliche Immunzellen zu entfernen, könnte die Behandlung auch dazu beitragen, nützliche Immunzellen aus dem Darm zu rekrutieren. Diese Entdeckung eröffnet den Autoren zufolge neue Möglichkeiten für die Entwicklung zukünftiger Therapien, die nützliche Darm-Immunzellen bei MS und anderen entzündlichen Erkrankungen nutzen. Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Multiple Sklerose: Kostengünstige Behandlung erweist sich als ebenso wirksam wie die Standardtherapie Multiple Sklerose beeinträchtigt den Alltag weit über die körperlichen Symptome hinaus
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