Autistische Menschen erleben schwerere Wechseljahresbeschwerden6. November 2026 Symbolbild © Maryia/stock.adobe.com Eine neue Studie von Forschenden der Bournemouth University (England) zeigt, dass autistische Menschen stärkere Wechseljahresbeschwerden erleben als nicht autistische Menschen, was zu einem geringeren Wohlbefinden und einer schlechteren Lebensqualität führt. Die von der Doktorandin Eunhee Kim geleitete Untersuchung ist nach Angaben des Forschungsteams die bislang größte Studie, die selbstberichtete Wechseljahresbeschwerden autistischer und nicht autistischer Menschen miteinander vergleicht. Die Mehrheit der Teilnehmenden waren cisgeschlechtliche Frauen. Über den gesamten Untersuchungszeitraum berichteten autistische Teilnehmende über stärkere Wechseljahresbeschwerden. Zudem wiesen sie häufiger Angst- und Depressionssymptome sowie eine geringere Lebensqualität auf. Diese Faktoren standen auch mit der Schwere der Wechseljahresbeschwerden in Zusammenhang. Darüber hinaus berichteten autistische Teilnehmende häufiger über körperliche Begleiterkrankungen. Sie gaben nahezu doppelt so häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen an wie nicht autistische Teilnehmende. Erkrankungen des Bewegungsapparats, beispielsweise Hypermobilität, wurden sogar mehr als viermal so häufig berichtet. Viele autistische Teilnehmende litten zudem an mehreren schwerwiegenden oder chronischen Erkrankungen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass bestehende psychische und körperliche Erkrankungen die Wechseljahre zusätzlich erschweren könnten. Da autistische Menschen bereits häufiger gesundheitlich belastet seien, könnten sie in dieser Lebensphase besonders auf Unterstützung angewiesen sein. Fehlende Kontrolle und Unsicherheit als mögliche Einflussfaktoren Die Studie untersuchte auch, welche Faktoren mit der Schwere der Beschwerden zusammenhängen könnten. Dabei erwiesen sich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, und Schwierigkeiten, körperliche und psychische Veränderungen während der Wechseljahre einzuordnen, als mögliche Prädiktoren für stärkere Symptome. Die Ergebnisse unterstreichen nach Einschätzung der Forschenden die Bedeutung einer verständlichen und auf autistische Menschen zugeschnittenen Aufklärung. Wenn Betroffene besser einschätzen könnten, welche Veränderungen in den Wechseljahren auftreten, ließen sich möglicherweise Verunsicherung und Ängste reduzieren. Bedarf an angepasster medizinischer Unterstützung Auch für die medizinische Versorgung ergeben sich aus Sicht des Forschungsteams wichtige Hinweise. Autistische Menschen berichteten, dass es ihnen teilweise schwerfalle, während der Wechseljahre angemessene Unterstützung zu erhalten. Ihre Belastung werde mitunter nicht ausreichend erkannt, weil sie diese anders ausdrückten, als es medizinisches Personal erwarte. Die Forschenden betonen daher, dass Beschwerden ernst genommen und individuelle Kommunikationsbedürfnisse berücksichtigt werden sollten. Eine auf autistische Menschen abgestimmte Information und Betreuung könnte dazu beitragen, die Versorgung in den Wechseljahren zu verbessern. Die Untersuchung zeigt Unterschiede bei selbstberichteten Beschwerden und Begleiterkrankungen. Sie belegt jedoch nicht, dass Autismus unmittelbar stärkere Wechseljahresbeschwerden verursacht. Auch die berichteten Begleiterkrankungen wurden anhand der Angaben der Teilnehmenden erfasst. (lj/BIERMANN)
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